Venedig
Inhaltsverzeichnis
- Venedig
- Piazza San Marco
- Markusdom und Campanile
- Dogenpalast
- Seufzerbrücke und Bleikammern
- Rialtobrücke
- Teatro la Fenice
- Peggy Guggenheim Collection Venice
- San Giorgio Maggiore
- Insel Murano
- Insel Burano
- Friedhofsinsel San Michele
- Lido
- Das jüdische Ghetto
- Ca' Rezzonico
- Santa Maria della Salute
- Insel Giudecca
- Das Arsenal
- Das Nachtleben von Venedig
- Shopping in Venedig
- Öffentlicher Personennahverkehr
- Essen & Trinken
Venedig und seine Sehenswürdigkeiten
Für viele Menschen ist Venedig die schönste Stadt der Welt. Natürlich kommt es dabei immer auch auf den persönlichen Geschmack an, doch nur wenige können sich dem Charme und dem Zauber der Paläste und Brücken, der Kirchen und Kanäle, die Venedig ausmachen, ganz entziehen. Selbst, wer New York oder Shanghai, Sydney oder London trendiger und lebendiger findet, kommt an zwei Tatsachen nicht vorbei: Venedig ist eine der berühmtesten Städte der Welt und sie ist auch eine der ungewöhnlichsten dazu.
Wo sonst kann man heute noch eine Stadt ohne jeden Autoverkehr erleben? Wo sonst ist es unmöglich, der Richtungsangabe "immer geradeaus" zu folgen und wo sonst führt jeder noch so kleine Spaziergang tief hinein in die Geschichte nicht nur Italiens sondern Europas? Das alles bietet Venedig und noch viel, viel mehr obendrein.
Venedig hat einen großen Namen in der Geschichte, in der Architektur, in der Kulturgeschichte und unter Feinschmeckern. Flächenmäßig allerdings ist Venedig eher ein Leichtgewicht. Offiziell umfasst das Stadtgebiet 418 Quadratkilometer, in denen über 250.000 Menschen leben. Der weitaus größte Teil davon aber liegt auf dem Festland, wo auch die meisten Venezianer wohnen. Mestre, so der Name eines dieser modernen Stadtteile, gehört zwar genau wie einige andere Distrikte verwaltungstechnisch zu Venedig, hat aber mit der eigentlichen Lagunenstadt wenig zu tun. Das, was der Reisende unter Venedig versteht, das ist das historische Zentrum "Centro storico" und das sind die vielen kleinen Inseln in der Lagune; einige von ihnen sind nicht einmal bewohnt. Das historische Zentrum, das sich links und rechts vom Canale Grande erstreckt, ist ganze sieben Quadratkilometer groß und lässt sich hervorragend zu Fuß sowie per Wassertaxi und Wasserbus erforschen. Selbstverständlich kann man auch eine Gondel mieten – das ist zwar die stilechteste, aber auch mit Abstand die teuerste Methode, in Venedig von A nach B zu kommen.
Apropos teuer. Venedig ist generell kein Reiseziel für Schnäppchenjäger. Es muss aber auch nicht gleich in den Ruin führen, wenn man sich in der Lagunenstadt aufhält. Grundsätzlich gilt, dass alles, was in unmittelbarer Nähe der großen Sehenswürdigkeiten liegt, deutlich teurer ist als ein paar Gassen weiter. Das fängt bei einem Espresso an und hört bei der Postkarte noch längst nicht auf. Wer also Hunger hat oder seinen Durst stillen möchte, der zahlt in den Cafés auf dem Markusplatz schnell mal ein kleines Vermögen. Nicht unbedingt für die Cola, aber für das weltberühmte Ambiente, das den Gast dort umgibt. Das gleiche gilt auch für alle kleinen Bars, Trattorien und Geschäfte rund um die Rialto-Brücke.
Piazza San Marco
Die Piazza San Marco – auf Deutsch der Markusplatz - ist der größte Platz in Venedig. Das Gewirr der Gassen und Gässchen öffnet sich in Venedig regelmäßig auf einen Platz und nimmt der Stadt dadurch ihren manchmal etwas klaustrophobischen Charakter. Nirgends aber geschieht das so großartig und so majestätisch wie beim Betreten des Markusplatzes. Wer aus einer kleinen, engen "Calle" auf ihn einbiegt, dem kann schon mal der Atem stocken. Dabei beruht die Wirkung der Piazza streng genommen auf einer optischen Täuschung und sie ist bei weitem nicht so groß, wie sie erscheint. Es geht schon mal damit los, dass der Platz wie ein Rechteck erscheint, tatsächlich aber eine Trapezform hat. Wer vom gegenüberliegenden Ende auf die Basilica San Marco schaut, der wird meinen, auf einem riesigen Platz zu stehen – in Wahrheit ist die genial angelegte Piazza gerade mal 175 Meter lang. Links und rechts wird der Markusplatz eingerahmt von Gebäuden, in denen einst die Procuratoren der Basilika gewohnt haben. Heute befinden sich dort überwiegend Geschäfte und Cafés mit einem sehr hohen Preisniveau. Das berühmteste Café ist das "Caffé Florian", das als ältestes Kaffeehaus Europas gilt. Es wurde im November 1720 unter den Arkaden am Markusplatz eröffnet und befindet sich seitdem ununterbrochen am selben Platz. Müßig zu sagen, dass über die Jahrhunderte viele berühmte Geister hier eingekehrt sind. Einer der bekanntesten Deutschen, die hier gern mal verweilten, trägt den Namen Johann Wolfgang von Goethe.
Man benötigt leider ein bisschen Kleingeld, um es ihm heutzutage gleichtun zu können. Die Preise an der Piazza sind wirklich happig. Aber man muss dort ja nicht unbedingt essen und trinken. Es reicht, sich einfach zu zeigen, Teil jener Besucherschar zu sein, die aus allen Teilen der Welt anreist, um diesen Platz, diese Stadt zu genießen. Für junge Leute ist der Markusplatz eine Art inoffizieller Kontaktbörse, wo man schnell miteinander ins Gespräch kommt und sich auch mal für den Abend verabredet. Wenn die Steine sprechen könnten, dann würden sie verraten, dass der Platz diese Funktion früher für die Venezianer selbst hatte. Hier hat sich schon manches amouröse Abenteuer angebahnt – in der Vergangenheit allerdings überwiegend im Schutz der Masken, während der berühmten Karnevals. Doch zurück zum Platz selbst. Wer sich die Lage Venedigs und das Gewirr seiner Gassen, Brücken und Plätze wirklich lebendig vor Augen führen möchte, der kann das vom Campanile aus am besten tun. Dieser Glockenturm befindet sich auf dem Markusplatz und man kann mit einem Fahrstuhl bis zur Spitze hochfahren. Die Aussicht ist absolut lohnenswert.
Markusdom und Campanile
Der Campanile sieht zwar alt aus, tatsächlich aber ist er verhältnismäßig jung – für venezianische Verhältnisse allemal. Der Turm stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Er ist ein exakter Nachbau seines Vorgängers, der am 14. Juli 1902 kurz vor zehn Uhr morgens zusammenbrach. Schon einige Tage zuvor hatten sich Risse im Mauerwerk des jahrhundertealten Turms gezeigt. Ursache dafür war, dass man das Metallgerüst aus dem Inneren des Turms entfernt hatte, um einen Aufzug einbauen zu können. Dazu kam es allerdings nicht mehr, der Campanile sackte in sich zusammen und löste damit rund um den Globus große Bestürzung aus. Sofort beschloss der Stadtrat, ihn originalgetreu an gleicher Stelle wieder aufzubauen. Am Markustag 1912, dem 25. April, wurde das Bauwerk feierlich eingeweiht. Es macht nicht nur Spaß, den Turm hinaufzurattern, man wird auch wirklich mit einem fantastischen Blick auf Venedig belohnt.

Der Markusdom mutet wie ein Bauwerk an, das mit Zuckerguss überzogen wurde. Es hat Hunderte von Jahren gedauert, bis die Basilika ihre heutige Form angenommen hatte. Lediglich in der letzten Bauphase, im 14. Jahrhundert, wurde diese Kirche des venezianischen Patriarchen um Elemente im gotischen Stil ergänzt. Alles andere ist im byzantinischen Stil errichtet worden und das hat natürlich einen handfesten Hintergrund. Venedig war in ihren Glanzzeiten eine sehr mächtige und einflussreiche Seefahrer-Republik. Die Schiffe hielten enge Verbindung mit dem Orient und brachten Luxusgüter wie edle Stoffe und Gewürze aus weit entfernten Ländern mit. Von Venedig aus wurden diese heiß begehrten Waren nach ganz Europa verkauft. Sie garantierten den Reichtum und die Vormachtstellung Venedigs. Kein Wunder also, dass die Hauptkirche wie eine Hommage an Byzanz und den Orient insgesamt wirkt. Auf diese Weise zeigte man den Handelspartnern im Osten, wie sehr man sie zu schätzen wusste.
Die eigentlichen Schätze der Basilika aber befinden sich an ihrer Fassade und im Inneren der Kirche. Auf einer Gesamtfläche von über 4.000 Quadratmetern prangen Mosaike, die auf Gold eingearbeitet worden sind. Der Markusdom trägt deshalb auch den Beinamen "Goldene Basilika". Teile des Mosaikschmucks stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der Dom soll übrigens auch die Gebeine des Heiligen Markus, der der Schutzpatron der Stadt ist, beherbergen. Wer würde es wagen, das zu bezweifeln? Markus stammt aus Jerusalem; im Haus seiner Mutter nahm Jesus einst das Abendmahl ein. Markus wurde später zum Missionar und starb schließlich in Alexandria den Märtyrertod. Venezianische Seefahrer nahmen irgendwann seine Gebeine mit und bestatteten sie im Markusdom. Während einer der vielen Bauphasen stürzte ein Arbeiter vom Dach und überlebte wie durch ein Wunder. Seitdem ist Markus auch der Schutzpatron der Maurer. Seine Gebeine verschwanden, als ein Teil des Doms abbrannte. Sie tauchten aber dank eines zweiten Wunders wieder auf und werden bis heute in Venedig heiß verehrt.
nach obenDogenpalast
Der Dogenpalast ist Stein gewordene Geschichte. Dieses Gebäude birgt so viele Geheimnisse, so viele Schätze aus so vielen Epochen, dass ein Besuch fast schwindlig machen könnte. Um die Dimension dieses Bauwerks auch nur im Ansatz erfassen zu können, vorab ein paar Fakten: Insgesamt 120 Dogen haben von hier aus in über 1.000 Jahren Venedig regiert. Der erste Dogenpalast, der an dieser Stelle entstanden ist, existiert allerdings schon lange nicht mehr. Das heutige Gebäude ist im 14. und frühen 15. Jahrhundert in der Stilepoche der Gotik entstanden. Die Fassade, die auf kaum einer Stadtansicht von Venedig fehlt, ist mit strahlend weißem Marmor verkleidet und mit unzähligen kleinen Bögen, Säulen und Kapitellen verziert.

Wenn der Dogenpalast, der übrigens mit seiner Front direkt an der Lagune liegt, aber vom Markusplatz aus durch seinen extrem eindrucksvollen Haupteingang, die "Porta della Carta", betreten wird, schon von außen eine fast unwirkliche Schönheit besitzt, so ist er von innen einfach überwältigend. Die Ausgestaltung des Inneren begann im 16. Jahrhundert. Damals war Venedig nicht nur auf dem Höhepunkt seiner Macht – und hatte entsprechend viel Geld im Stadtsäckel – sondern es erlebte auch eine kulturelle Blütezeit. Entsprechend wurden die besten Maler der Epoche angeheuert, um den Palast von innen auszugestalten. Ob Tizian, ob Vater und Sohn Tintoretto oder Paolo Veronese, kein wichtiger Name aus der Elite der Maler fehlt in diesem Palast. Die Künstler hatten dort allerdings auch einiges zu tun. Allein Jacopo Tintoretto und sein Sohn haben die Porträts von 96 Dogen gemalt. Viele Gemälde in den prunkvollen Empfangssälen und Versammlungsräumen haben riesige Ausmaße und stellen Schlüsselszenen aus der langen Geschichte der Seefahrerrepublik dar. Im Dogenpalast kann man zudem ein Bild des berühmten flämischen Malers Hieronymus Bosch sehen.
Es gibt aber auch einige architektonische Besonderheiten zu bestaunen, die zeigen, dass die Dogen es sich gern mal gemütlich gemacht haben. So verfügt etwa der Erizzo-Saal über ein Fenster, mit dem es in der Vergangenheit eine besondere Bewandtnis hatte. Von hier führte eine Leiter hinab in die hängenden Gärten des Dogenpalastes. Dort konnte der Herrscher dann ebenso sicher wie ungestört die frische Luft genießen. Der Dogenpalast war natürlich mit seiner ganzen Pracht darauf ausgelegt, Vertreter fremder Mächte zu beeindrucken und Venedigs Reichtum und seine Vorrangstellung architektonisch auszudrücken. Wehe allerdings denen, denen Venedig nicht so gut gesonnen war. Sie erlebten den Dogenpalast von seiner anderen Seite – als unbarmherziges Gericht. Wer hier verurteilt wurde, der wurde über die Seufzerbrücke direkt in das angegliederte Gefängnis abgeführt.
nach obenSeufzerbrücke und Bleikammern
Es ist in keiner Epoche und in keinem Land schön, wenn jemand ins Gefängnis muss. Wer allerdings im Venedig des 18. Jahrhunderts verurteilt wurde, der hatte es besonders schlecht getroffen; vor allem dann, wenn er als politischer Gefangener verurteilt wurde. Nach der Gerichtsverhandlung ging es sofort ab ins Gefängnis. Verbunden werden die beiden Gebäudeteile des Dogenpalastes durch eine weltberühmte Brücke – die "Ponte dei Sospiri", die Seufzerbrücke. Es dürften oft sicher eher wehklagende Schreie gewesen sein, die dieser Brücke ihren Namen gaben. Das Gefängnis am anderen Ende war berüchtigt und viele Gefangene haben es nie wieder lebend verlassen.
Wenn heute noch viele Reisende dieses Gefängnis besuchen, dann wollen sie vor allem die Bleikammern sehen. Das hat zwei Gründe. Die Bleikammern waren einerseits die brutalsten und unerträglichsten Kerkerzellen, die man sich vorstellen kann. Sie galten als absolut ausbruchsicher, bis der berühmteste Insasse, der jemals dort gelebt hat, dem Dogen das Gegenteil bewies und damit zum Hauptgrund für die heutigen Touristenströme wurde. In einer spektakulären Flucht gelang es Giacomo Casanova, seine Freiheit zurückzuerlangen. Er sollte Venedig danach zwar nicht wiedersehen, aber er hat die Bedingungen seiner Haft nie vergessen. Giacomo Casanova war 1755 wegen Gotteslästerung, Freimaurerei, Magie und – wen wundert‘s – wegen Unzucht verurteilt worden. Er kam in eine Kerkerzelle direkt unter dem Bleidach des Dogenpalastes. Das Dach gab diesen Zellen ihren Namen. Die Kerker waren winzig, noch winziger aber waren die Luftschlitze, über die die Zellen belüftet wurden. Es wurde unerträglich heiß in ihnen und viele Gefangene starben. Giacomo Casanova hat lange gebraucht, bis er seine Erfahrungen in dem Gefängnis und seine spektakuläre Flucht verarbeitet hatte. Ein ganzes Jahr blieb er in seiner Zelle, bevor er ausbrechen konnte und sein unstetes (Liebes)-Leben quer durch Europas Herrscherhäuser und Betten begann. In seinem Buch "Meine Flucht aus den Bleikammern" hat er viele Jahre später seine Erinnerungen an diese Zeit festgehalten.
Wer den Gefängnistrakt des Dogenpalastes besucht, der sollte allerdings auch einen Blick auf die sogenannten "Pozzi" werfen. Das sind 19 Kerkerzellen aus istrischen Steinblöcken, die nicht so heiß wurden wie die Bleikammern, dafür aber anderes Ungemach in petto hatten. Sie standen oft bei "aqua alta", dem legendären Hochwasser der Lagunenstadt, bis zur Pritsche unter Wasser. Dagegen nehmen sich dann die Zellen des neuen Gefängnisses, das 1610 fertiggestellt wurde und ebenfalls besichtigt werden kann, schon fast human aus.
nach obenRialtobrücke
Venedig wurde auf über 100 Inseln erbaut und es wird von 150 Kanälen durchzogen. Da kann es nicht verwundern, dass diese Stadt unglaublich viele Brücken hat. 400 Stück sollen es sein; wer die wirklich mal nachgezählt hat, ist allerdings unbekannt. Klar ist aber, welche dieser vielen Überwegungen die berühmteste ist. Die Rede ist von der Rialtobrücke, die eindrucksvoll den Canale Grande überspannt und damit die Quartiere San Marco und San Polo verbindet.

Warum die Rialtobrücke zu einem der meist fotografierten Motive Venedigs geworden ist, hat viele Gründe. Einer liegt sicher in der einstigen Bedeutung des Bauwerks. Als sie entstand, war sie die erste Brücke, die den Canale Grande überspannte und es so Venezianern erlaubte, trockenen Fußes von einem Stadtteil zum anderen zu gelangen. Zum anderen schlug hier am Rialto über Jahrhunderte hinweg das ökonomische Herz der Republik. Hier standen die großen Handelshäuser, hier hatten die einflussreichen Banken ihre Paläste. Hier wurden auch die luxuriösen Waren gelöscht, die aus aller Herren Länder in Venedig anlangten und dann nach ganz Europa weiterverkauft wurden. Die Architektur der Brücke erlaubte es den Schiffen, gefahrlos unter ihr hindurchzufahren. Ist die Rialtobrücke schön? Das ist sicher Geschmackssache. Ihr Architekt Antonio de Ponte hat sich mit seinem Entwurf immerhin gegen Mitbewerber mit so wohlklingenden Namen wie Palladio und Michelangelo durchgesetzt, als es darum ging, im späten 16. Jahrhundert die morsche Vorgängerbrücke aus Holz zu ersetzen. Vielleicht wären ihre Brücken ästhetischer und besser proportioniert gewesen – Antonios Entwurf aber bekam den Zuschlag, weil er eine stabile und praktische Brücke versprach.
Heute schlägt hier weniger das ökonomische als vielmehr das touristische Herz Venedigs. Die Lagunenstadt besuchen und die Rialtobrücke nicht gesehen haben? Das geht ja gar nicht! Also drängen und schieben sich hier Tag für Tag Massen von Menschen über die Stufen, fotografieren sich gegenseitig und kaufen Souvenirs in den kleinen Läden, die sich auf beiden Seiten der Brücke angesiedelt haben. Für junge Reisende ist die unmittelbare Umgebung der Brücke – vor allem auf der Seite San Marco – ein beliebter Treffpunkt, wenn man jemanden kennenlernen möchte. Wer sich für die venezianische Kochkunst interessiert, der kann von hier aus zum Markt in San Polo rüberschauen und lässt sich vielleicht zu einem Bummel inspirieren. Auch, wenn die eigene Küche ein paar tausend Kilometer weit entfernt sein sollte – der Markt ist einfach ein Erlebnis. Hier gibt es immer frischen Fisch, Fleisch. Obst, Gemüse und Kräuter und das alles in einer Qualität, die keinen Vergleich zu scheuen braucht.
Das Opernhaus Teatro la Fenice
Quelle: pixelio.de Fotograf: Biggi
Zugegeben, ein Opernhaus ist nicht unbedingt der erste Anlaufpunkt, wenn junge Leute eine Stadt besuchen. Aber in Venedig ist vieles anders als überall sonst auf der Welt. Und so hat auch das Teatro la Fenice (der vollständige Name lautet "Gran Teatro la Fenice di Venezia") seine ganz eigene Anziehungskraft, für die es weder nach oben noch nach unten eine Altersbegrenzung gibt. Wie so oft in Venedig ist auch die Geschichte von La Fenice voller Dramatik und Leidenschaft. "Fenice" ist der italienische Name für Phönix, jenem legendären Vogel, der aus der Asche wieder aufersteht. So erging es auch dem Opernhaus, das seinen Namen erhielt, weil das Vorgängergebäude 1773 einem großen Brand zum Opfer fiel. Es gab Zank und Streit zwischen der Betreibergesellschaft und dem Adelsgeschlecht, dem das Theater gehörte. Die Betreiber beschlossen letztendlich, ein eigenes neues Theater zu errichten. 1792 wurde das neue Haus feierlich eingeweiht und es entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Bühnen Europas. Doch der Feuerteufel schlug schon bald erneut zu. 1836 nahm La Fenice wieder schweren Schaden durch einen Brand. Diesmal gelang es aber, das Gebäude relativ schnell wieder bespielbar zu machen und so den hervorragenden Ruf zu bewahren. Giuseppe Verdi konnte also weiter im La Fenice seine Opern welturaufführen lassen – was er unter anderem mit Rigoletto, La Traviata und Simone Boccanegra tat. Auch Richard Wagner ließ nichts auf Venedig kommen, obwohl Italien nach der Einigung im Jahr 1870 vor allem die Opernhäuser von Mailand, Rom und Neapel förderte. Wagner wählte dennoch La Fenice, um seinen Ring der Nibelungen erstmals in Italien aufführen zu lassen. Er erlebte die Premiere allerdings nicht mehr mit, denn er starb unmittelbar davor in Venedig.
La Fenice hat seine Bedeutung durch die Jahrhunderte behalten und auch nach dem zweiten Weltkrieg nichts davon eingebüßt. Dann aber kam der 29. Januar 1996. Im Haus standen Renovierungsarbeiten an und sie sollten unter anderem von dem Elektroingenieur Enrico Carella und seinem Cousin Massimiliano Marchetti ausgeführt werden. Stattdessen steckten die beiden aber das Haus in Brand. Der Elektroingenieur wollte eine Konventionalstrafe wegen Arbeitsverschleppung vermeiden...
Die Oper brannte wieder einmal bis auf die Grundmauern nieder, Carella flüchtete und wurde bis 2007 nicht entdeckt. Dann sichtete man ihn in Mexico, von wo aus ihn die Behörden an Italien auslieferten. Das Teatro La Fenice war zu dem Zeitpunkt bereits seit drei Jahren wieder in Betrieb – man hatte es anhand von Fotos und Filmdokumenten originalgetreu wiedererrichtet.
nach obenPeggy Guggenheim Collection Venice
Streng genommen ist ganz Venedig eine Art Freilichtmuseum: Paläste, Kirchen und Brücken berühmter Baumeister. Kaum ein Sakralbau, in dem sich nicht ein Gemälde eines mehr oder minder (meist aber mehr) bekannten venezianischen Meisters verbirgt. Auch die Museen zeigen Kunst mit viel Lokalkolorit – die Republik Venedig und mit ihr alle Regionen, aus denen später Italien wurde, sind immer überreich an künstlerischem Talent gewesen. Es mag vor diesem Hintergrund etwas bizarr erscheinen, dass ausgerechnet ein Museum, das weder von einem Italiener begründet wurde noch italienische Kunst ausstellt, zu einem der meistbesuchten von ganz Venedig gehört. Die Rede ist von der Stiftung Peggy Guggenheim, der sogenannten "Collezione Peggy Guggenheim Venezia".
Die Kunstsammlung von Peggy Guggenheim ist eine Attraktion für alle Liebhaber der Moderne und übt darüber hinaus auch wegen seiner Lage und der exzentrischen Biografie der Gründerin eine große Anziehungskraft auf junge Leute aus, die nach Venedig kommen. Die Liebe zur Kunst scheint den Guggenheims im Blut gelegen zu haben. Die Milliardärsfamilie aus den USA konnte sich ihr Hobby natürlich auch leisten. Peggys Onkel, Solomon R. Guggenheim stiftete das gleichnamige Museum in New York. Peggy kam durch ein tragisches Ereignis schon früh zu ihrem riesigen Vermögen – ihr Vater starb beim Untergang der Titanic. Sie hatte also die Mittel, Kunst und Künstler zu fördern und sie nutzte sie. Rebellisch und unkonventionell mischte sie die Society in New York auf und wurde zur Wegbereiterin der Avantgarde. Peggy verschaffte Künstlern wie Wassily Kandinsky, Marcel Duchamp, Jackson Pollock und Yves Tanguy Aufmerksamkeit und verhalf ihnen zum internationalen Durchbruch. Das gilt auch für den deutschen Maler Max Ernst, mit dem die Mäzenin darüber hinaus auch noch zwei kurze Jahre verheiratet gewesen ist.
In den Vierziger Jahren orientierte sich die schwerreiche Amerikanerin zunehmend nach Europa und zog schließlich 1947 nach Venedig, wo sie sich direkt am Canale Grande den Palast Venier dei Leoni kaufte. Dort sind ihre privaten Lieblingsbilder bis heute zu sehen – eine erstklassige Sammlung der Moderne, die keinen Vergleich mit einem der weltweit verstreuten Museen aus der Guggenheim-Stiftung scheuen muss. Vom Garten aus hat der Besucher einen faszinierenden Blick auf das Treiben auf dem Canale Grande und ganz nebenbei kann man dort auch noch Plastiken vom Range eines Henry Moore bewundern. Der Garten ist auch ein kleiner Friedhof – hier hat Peggy Guggenheim all ihre geliebten Hunde und Katzen begraben und ihnen ein Denkmal gesetzt.
nach obenSan Giorgio Maggiore und Campanile San Giorgio Maggiore

Nur 3-4 Minuten Bootsfahrt von der Anlegestelle am Markusplatz befindet sich gegenüber San Giorgio Maggiore mit seinem gleichnamigen Campanile. Der Campanile ist eine „Nachbildung“ des Campanile von San Marco und wurde im Jahre 1791 erbaut. Ein Aufzug führt auf die Aussichtsplattform.
Von dort hat man einen herrlichen Blick auf den Dogenpalast, die Markuskirche, ja eigentlich über die gesamte Altstadt und auch die umliegenden Inseln wie zum Beispiel die Giudecca-Insel. Allein wegen der Aussicht lohnt sich diese Fahrt und der Eintritt von ca. 3 €.

Mit dem Bau der Kirche San Maggiore selbst wurde 1566 begonnen. Sehenswert sind zwei Bilder im Chorraum von Jacopo Tintoretto. Einmal das „Abendmahl“ und zum anderen die „Manalese“.
nach obenInsel Murano
Venedig ist eine Stadt, die auf vielen kleinen Inseln der venezianischen Lagune gewachsen ist. Nirgendwo wird das deutlicher als bei einem Ausflug auf die Nachbarinsel Murano. Wer mit dem Boot auf Murano angekommen ist, der hat das Gefühl, in einem Miniatur-Venedig gelandet zu sein. Auch hier gibt es kleine Kanäle und Brücken, Paläste und Kirchen. Freilich ist auf Murano alles eine Nummer kleiner und trotz der großen Popularität und vieler Touristen auch immer noch etwas beschaulicher und weniger hektisch als in Venedig selbst. Murano besteht aus fünf Inseln und hat heute rund 7000 Einwohner.
Die Insel ist vor allem für die Kunstfertigkeit ihrer Glasbläser weltberühmt. Der Mensch kann seit der Antike Glas herstellen. Das Wissen davon ging allerdings in Europa zunächst wieder verloren und gelangte erst über den Handel zwischen Byzanz und Venedig nach Mitteleuropa zurück. Den Venezianern war die Glasbläserei zwar willkommen, doch sie fürchteten sich auch vor den Bränden, die durch die Flammen entstehen konnten. Im engen Gassengewirr Venedigs hatte Feuer eine vernichtende Wirkung – die Glasbläser wurden deshalb weit entfernt auf Murano angesiedelt. Dort sind sie bis heute und sie sind auch in ihrer Kunst unerreicht geblieben.
An der Uferpromenade von Murano reiht sich ein Glasgeschäft an das nächste. Hier kann der Besucher sich wirklich die ganze Bandbreite der Muranoglas-Industrie zu Gemüte führen. Von kitschigsten quietschebunten Tierfiguren bis hin zu superteurem, edlem Glasdesign aus renommierten Studios ist alles zu haben. Es ist einfach ein Muss, auf Murano einem Glasbläser über die Schulter zu schauen. Viele Werkstätten laden dazu ein – fast immer kostenlos.
Quelle: pixelio.de Fotograf: Claudia Guth
Ein Muss ist auch der Besuch des Glasmuseums – dem "Museo dell'Arte Vetraria". Anhand von rund 4000 Objekten wird hier die Geschichte des Glases nachvollzogen. Fast alles stammt aus den tausend Jahren, in denen bereits auf Murano Glas hergestellt wird. Im Museum befinden sich aber auch einige gläserne Exponate, die aus dem alten Rom stammen.
Nicht Glas, sondern Stein dominiert die Basilika di Santa Maria e Donato, die Hauptkirche Muranos. Sie wurde im 7. Jahrhundert begründet und in ihrer heutigen Form um 1150 herum fertiggestellt. Damit gehört sie zu den ältesten Sakralbauten in der gesamten Lagune. Sehenswert sind ihre Mosaikfußböden aus dem 12. Jahrhundert.
nach obenInsel Burano
Quelle: pixelio.de Fotograf: Hanni Flicker
Was das Glas für Murano ist, das sind für Burano die Spitzen. Hier werden einige der luxuriösesten Spitzen der Welt von Hand gefertigt. Aber Vorsicht – was in den vielen kleinen Souvenirläden ausliegt, das hat weniger mit der Fingerfertigkeit der Frauen von Burano zu tun als vielmehr mit der Spitzfindigkeit der Händler. Die preiswerten Spitzen stammen fast alle aus Fernost; die Originalspitzen von Burano sind dagegen selten und sehr, sehr teuer.
Burano ist deutlich kleiner als Murano, die Insel hat knapp 5.000 Einwohner. Zwar kommen auch hier mit jedem Boot die Touristen an, doch es sind insgesamt weniger als auf Murano. Burano ist deshalb ein Supertipp für alle, die zwischendurch mal eine Verschnaufpause von den Menschenmassen in Bella Venezia brauchen. Allein die Fahrt durch die Lagune ist schon ein Genuss. Auf Burano angekommen, wird dann schnell klar, warum diese Insel so überdurchschnittlich viele Maler und Fotografen anzieht. Früher waren hier fast alle Männer Fischer, die Frauen fertigten Spitze. Das Leben war nicht arm, aber auch weit davon entfernt, reich zu sein. So schmiegen sich die schmalen Häuser der Fischer eins wie das andere eng aneinander. Eins wie das andere? Das mag für die Bauweise gelten, aber nicht für die Farben. Jedes Haus hebt sich durch seine Farbe von den Nachbarn links und rechts ab. Das schafft eine ganz eigene, pittoreske Atmosphäre und gilt doppelt, wenn die Farbenpracht sich auch noch im Wasser spiegelt. Also, auf keinen Fall die Kamera vergessen!
Quelle: pixelio.de Fotograf: Hanni Flicker
Die Spitzenklöpplerinnen und Spitzenstickerinnen von Burano wären Mitte des 19. Jahrhunderts fast in Vergessenheit geraten. Damals machten ihnen die neuen Techniken, die "dank" der industriellen Revolution von Maschinen realisiert wurden, schwer zu schaffen. Ihre handwerkliche Kunst lohnte sich bald nicht mehr und immer weniger Frauen erlernten sie. Es soll schließlich tatsächlich so weit gewesen sein, dass nur noch eine einzige alte Frau jene Geheimnisse der Spitzenfertigung kannte, die vorher von Generation zu Generation weitergereicht worden waren. Vornehme Damen der italienischen Gesellschaft zogen daraufhin die Notbremse und gründeten 1872 die Stick- und Spitzenschule "Scuola di Merletti". Sie wurde von der damals vornehmsten aller vornehmen Italienerinnen – von Königin Margherita höchstpersönlich – gefördert und natürlich auf Burano angesiedelt. Dort kann man sie bis auf den heutigen Tag besuchen.
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