Weitere Sehenswürdigkeiten von Venedig

Friedhofsinsel San Michele

Friedhofsinsel San Michele
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Claudia Guth

Auch wenn eine Reise nach Venedig Trubel und pralles Leben bedeutet, so wird in dieser Stadt doch auch wie überall anderswo gestorben. Für ihre Toten hat die Lagunenstadt eine eigene Insel reserviert – die Friedhofsinsel San Michele. Sie übt einen ganz eigenen Reiz aus und zieht jedes Jahr Zehntausende von Touristen in ihren Bann.

Man erreicht San Michele – wie könnte es anders sein – mit dem Boot. Das Linienschiff, das später die Laguneninseln Murano, Burano und Torcello anläuft, hält als erstes am Anleger von San Michele. Nicht selten passiert es, dass am kleineren Nachbaranleger ein Sarg ankommt. Die letzte Reise wird in Venedig immer auf dem Wasser unternommen, meistens mit einem Motorboot, manchmal kommt ein Sarg aber auch auf einer Gondel an.

Der Friedhof auf San Michele ist in der Form eines griechischen Kreuzes angelegt. Für Reisende ist neben der Klosteranlage vor allem der ältere Teil des Friedhofs interessant. Hier herrscht nicht nur eine sehr friedliche, ruhige Atmosphäre, hier haben auch viele berühmte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Wer aber zum Beispiel das Grab von Igor Strawinsky, Ezra Pound oder Helenio Herrera besuchen will, der muss Geduld mitbringen und bereit sein, danach zu suchen. Anders als auf anderen Friedhöfen sind die Gräber prominenter Verstorbener nicht eigens gekennzeichnet. Da es auf San Michele tatsächlich auch relativ selten dazu kommt, dass "Fans" nur wegen eines einzigen Grabes kommen, sind die Ruhestätten auch nicht sofort durch übermäßigen Schmuck gekennzeichnet.

Interessant ist, dass die Toten früher nach Konfessionen getrennt auf San Michele beigesetzt wurden. Besonders deutlich wird das im protestantischen Teil des Friedhofs. Hier liegen kaum Einheimische, da Italien überwiegend katholisch ist. Stattdessen findet man im protestantischen Teil die Ruhestätten der Gesandten aus nordischen Ländern und ihrer Familien.

Der Rückweg zum Schiffsanleger ist der Weg zurück zu den Lebenden. Im eindrucksvollen Kreuzgang des alten Klosters aus dem 13. Jahrhundert kann man sich ausruhen und von der Sonne bescheinen lassen. Hier trifft man auch schon mal die Leute, die zwar nicht auf San Michele leben, aber hier arbeiten – etwa die Gärtner. Weder die Renaissancekirche "San Michele in Isola", die zu der Anlage gehört, noch die sechseckige Kapelle "Cappella Emiliani" sind durchgängig für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit etwas Glück kann man aber manchmal einen Blick hinein erhaschen.

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Lido

Ein Besuch in Venedig ist einfach nicht komplett, wenn man nicht auch zum Lido fährt. Der Name stammt aus dem Lateinischen und wird von "litus" gleich Strand abgeleitet. Venedigs Lido ist eine lang gestreckte Sandnehrung, die von Jesolo bis Chioggia reicht und die verwundbare Stadt vom offenen Meer abschirmt. Es war aber erst im 19. Jahrhundert, dass der Lido für den Tourismus entdeckt wurde. Ab dann siedelten sich hier mehr und mehr luxuriöse Hotels an und machten den Lido mitsamt seinem unglaublichen Blick auf Venedig zu einem mondänen Seebad. Hier trafen sich jahrzehntelang der Adel und der Geldadel Europas, um ein paar müßige Wochen lang die kultivierte Eleganz Venedigs und den Sommer zu genießen. Es entstand in dieser Blütezeit vor dem ersten Weltkrieg und auch zwischen den Weltkriegen ein Lebensstil und eine Atmosphäre, von deren Ruhm der Lido bis heute zehrt. Wer einen Eindruck von dieser Zeit gewinnen möchte, der liest von Thomas Mann die Novelle "Tod in Venedig", die den Lido, die Hotels und ihre Bewohner für die Weltliteratur festgehalten hat. Einmal im Jahr freilich steht der Lido nach wie vor im Rampenlicht. Hier werden nämlich die Internationalen Filmfestspiele von Venedig ausgerichtet, die vor allem in den letzten Jahren sehr wiedererstarkt sind und in immer größerem Umfang Stars und Sternchen anlocken.

Der Lido ist das ideale Ziel, wenn man mit Kindern unterwegs ist oder sich während eines Venedig-Aufenthaltes zwischendurch mal richtig frei bewegen oder gar austoben möchte. Hier kann man zu jeder Jahreszeit lange Spaziergänge am Strand unternehmen, Muscheln sammeln und dann in einem der mittlerweile etwas mitgenommenen Hotels anschließend einen Kaffee oder auch das für Venedig so typische kleine Glas Wein trinken. Im Sommer darf in der Adria natürlich auch gebadet werden. Obwohl den Venezianern nachgesagt wird, dass sie während des Karnevals gern mal fünf gerade sein lassen, neigen sie in der restlichen Zeit des Jahres dazu, eher prüde zu sein. Es empfiehlt sich deshalb, entweder eines der vielen kleinen Badehäuschen am Strand zu mieten oder sich sonstwie geschützt umzuziehen – Hauptsache, es geht dabei einigermaßen anständig zu. Auch heute noch befinden sich auf dem Lido einige 5-Sterne-Hotels; insgesamt hat dieser Teil Venedigs, in dem übrigens auch Auto gefahren werden darf, aber etwas an Exclusivität eingebüßt.

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Das jüdische Ghetto

Im Bezirk Cannaregio gibt es eine Insel, die jahrhundertelang eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen hatte: Dort musste der jüdische Teil der venezianischen Bevölkerung siedeln. Die Autoritäten in der Seerepublik erlaubten es lange nicht, dass die jüdischen und christlichen Bewohner der Stadt zusammenleben durften. Sie wollten damit Übergriffe und Unruhen vermeiden. Obwohl die Wohnverhältnisse im Ghetto – so der Name des Quartiers, der später weltweit übernommen wurde – beengt waren und die Juden sehr hart besteuert wurden, hatte diese Regelung nicht nur Nachteile für sie. Venedig gewährte ihnen im Gegenzug Schutz vor der Inquisition und bestrafte auch Venezianer, die in das Ghetto eindrangen und dort Ärger machten.

Die ersten Juden kamen bereits im 5. und 6. Jahrhundert nach Venedig. Meist waren es Deutsche – damals hieß ihr Heimatland allerdings noch Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation – die in Venedig mit ihren Waren Geld verdienen wollten. Als Händler waren sie in der Lagunenstadt durchaus gern gesehen, als Bürger allerdings nicht. Sie mussten deshalb außerhalb im "Fondaco dei Tedeschi" wohnen. Dieser Name zeugt noch heute von ihrer frühen Anwesenheit.

Im Laufe der Geschichte war die Akzeptanz der Juden in Venedig von einem permanenten Auf und Ab gekennzeichnet. In wirtschaftlich schlechten Zeiten wurden sie hofiert und man räumte ihnen neue Rechte ein – etwa das Recht, Baugrund in Venedig zu erwerben – weil man das Geld brauchte, das durch ihre Pfandleihen floss. Hatte sich die Krise erledigt, nahmen die Spannungen wieder zu, die Juden wurden schikaniert und diskriminiert. Eine Zeit lang beschäftigten sich Geistliche ernsthaft mit der Frage, ob das Seelenheil der Christen durch einen regelmäßigen Umgang mit Juden Schaden nehmen würde. Am 29. März 1516 machte Venedig Schluss mit dem Hin und Her. Erstmals in der Geschichte wurde einer jüdischen Bevölkerung ein fest umrissenes Gebiet zugewiesen, in dem sie sich niederlassen musste oder durfte – je nach Betrachtungsweise. Das Gebiet hieß damals "gheto novo" und wurde Namensgeber für alle Ghettos, die folgten. Erst Napoleon hob Ende des 18. Jahrhunderts diese Verfügung wieder auf, als seine Truppen Venedig eroberten. Die Juden blieben in dem Gebiet, nun aber freiwillig. Ab 1943 deportierten die deutschen Besatzer die letzten Juden, die noch im Ghetto lebten. Nur wenige von ihnen kamen zurück.

Heute leben wieder mehrere hundert Juden in Venedig, jedoch weniger im eigentlichen venezianischen Ghetto, das von vielen Touristen besucht wird. Hier kann man zwischen zwei Synagogen, einem Museum und vielen Läden, die Spezialitäten wie koschere Fleischgerichte und Matzen herstellen, jüdisches Alltagsleben kennenlernen. An die Opfer des Holocaust erinnert ein Relief des italienischen Bildhauers Arbid Blatas.

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Ca' Rezzonico

Venedig und seine Paläste haben über Jahrhunderte die Reisenden und die Schöngeister dieser Welt, die Maler und Bildhauer, die Musiker, Maskenbildner und Schriftsteller begeistert und inspiriert. Wer die Lagunenstadt besucht, der muss deshalb einfach einmal einen dieser Paläste von innen gesehen haben. Das lässt sich völlig problemlos im Ca' Rezzonico bewerkstelligen. Dieser Palast gehört seit Mitte des 20. Jahrhunderts, genau seit 1936, der Stadt Venedig und beherbergt heute ein Museum. Hier kann man nicht nur die Architektur der großen Paläste studieren und einen grandiosen Ausblick auf den Canale Grande erhaschen, sondern gleichzeitig auch wechselnde, dabei immer hochrangige Ausstellungen besuchen.

Wie viele andere Paläste auch hat der Palast Ca' Rezzonico eine wechselvolle Geschichte. "Ca" ist übrigens ganz schlicht die Abkürzung von "Casa", was im Italienischen "Haus" bedeutet. Ursprünglich standen an der Stelle der Ca' Rezzonico einmal zwei Häuser. 1649 aber beschloss der damalige Besitzer, sich etwas auszuweiten, größer, schöner und höher zu bauen. Der Plan überstieg bald seine Mittel und der Palast blieb eine Zeit lang unvollendet. Auf einem Gemälde des berühmten venezianischen Künstlers Canaletto ist der Palast in seinem halb fertigen Zustand für die Nachwelt festgehalten worden. Es dauerte nicht allzu lange, bis es neue Besitzer gab, und denen mangelte es absolut nicht an Geld. Die Familie Rezzonico hatte gerade erst ein Vermögen dafür ausgegeben, sich in den venezianischen Adel einzukaufen, als sie die Ca' Rezzonico ebenfalls auf ihre Einkaufsliste setzte. Der Bau wurde auf höchstem Niveau vollendet und für die Innenausstattung wurden so renommierte Künstler wie Giambattista Tiepolo beauftragt.

Der letzte Spross der Familie Rezzonico segnete im Jahr 1810 das Zeitliche, danach kam es zu häufigen Besitzerwechseln, bis schließlich die Stadt den prunkvollen Palast ankaufte. Zwischenzeitlich hatte alles, was jemals an beweglicher Ausstattung im Palast vorhanden gewesen war, das Haus verlassen. Wer sich also dafür interessiert, wie in den Palästen während ihrer Blütezeit gelebt wurde, der kommt in der Ca' Rezzonico nicht voll auf seine Kosten. Hier geht es mehr um die Fassade, die Gliederung und den Grundriss des Hauses und selbstverständlich auch um seine sehr hochwertigen Decken- und Wandgemälde. Einen lebendigen Eindruck von der einstigen Möblierung und Ausgestaltung der Prunk-Paläste erhält man eher im Palazzo Mocenigo, in dem noch einiges von der Originaleinrichtung vorhanden ist und tatsächlich auch noch am angestammten Platz steht.

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Kirche Santa Maria della Salute

Kirche Santa Maria della Salute
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Biggi

Die Kirche Santa Maria della Salute nimmt einen der prominentesten Plätze Venedigs für sich in Anspruch. Direkt am "Bacino", am Beginn des Canale Grande und gegenüber von der Piazza San Marco und dem Dogenpalast gelegen, bestimmt die Kirche das Stadtbild seit Mitte des 17. Jahrhunderts entscheidend mit und ist auf unzähligen Veduten zu sehen. Zwischen dem Beschluss, die Kirche zu bauen und ihrer Einweihung vergingen fast 60 Jahre und – wie so oft in Venedig – ist der Bau eng mit einer entscheidenden Periode in der Stadtgeschichte verknüpft.

Man schrieb das Jahr 1629, als wieder einmal der schwarze Tod die Lagunenstadt heimsuchte. Diesmal wütete die Pest so lange, bis sie gleich ein Drittel der Bevölkerung dahingerafft hatte. Der damalige Doge Nicolò Contarini wusste sich gegen Ende des Jahres 1630 nicht mehr anders zu helfen, als der Madonna eine neue Kirche zu versprechen, damit die Pest endlich beendet wurde. Die Muttergottes erhörte ihn offenbar, jedenfalls war die Pest nicht lange danach vorüber. Nun galt es, ein geeignetes Grundstück für die neue Kirche zu finden. Das wurde an exponierter Stelle ausgemacht. Schon lange waren die schäbigen Wohnbauten und die alte Zollstation hier, gegenüber von Venedigs "guter Stube", dem Markusplatz, dem Dogen ein Dorn im Auge gewesen. Nun war der Anlass gekommen, das alles abzureißen und stattdessen einen Prunkbau zu errichten. Schnell wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den der damals 33 Jahre alte Baldassare Longhena für sich entscheiden konnte. Er sollte fortan sein ganzes Leben diesem Bau weihen und doch die Fertigstellung nicht mehr erleben. Longhena war bereits fünf Jahre tot, als Santa Maria della Salute 1687 eingeweiht wurde.

Die Pläne des jungen Architekten waren revolutionär und hoben sich von dem ab, wie sonst zu dieser Zeit gebaut wurde. Um sie realisieren zu können, hatte Longhena enorme technische Probleme zu bewältigen. Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, auf wie vielen Holzpfählen Santa Maria della Salute ruht. Einig sind sich die Quellen aber darin, dass es definitiv mehr als eine Million Eichenpfähle von je vier Meter Länge sind, die die gewaltige Last der Kirche tragen. Um sie nicht schwerer als nötig zu machen, ließ Longhena die Kuppel aus zweischaligem Holz bauen und anschließend verputzen. So imposant das Bauwerk sich von außen darbietet, so schlicht ist die Innenausstattung. Santa Maria della Salute wirkt auf den ersten Blick relativ nüchtern im Vergleich zu vielen anderen Kirchen - darauf sollte man bei einem Besuch vorbereitet sein. Hier kommt es – gewollt – weniger auf die Ausschmückung mit Farben und Bildern als vielmehr auf die Wirkung des natürlichen Lichts an.

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Insel Giudecca

Die Insel Giudecca liegt nur ein paar Minuten Fahrtzeit mit dem Vaporetto vom Markusplatz entfernt im Süden Venedigs. Es gibt viele gute Gründe, die Insel auf keinen Fall auszulassen, wenn man Venedig besucht. Einer der besten liegt auf der Hand – es ist der Blick auf die berühmtesten Gebäude der Stadt. Nirgendwo sonst hat man eine solche Aussicht auf den Dogenpalast, den Markusplatz, die Votivkirche Santa Maria della Salute und die Einfahrt zum Canale Grande.

Wer sich fürs Erste sattgesehen hat, der kehrt dem Bacino den Rücken und erkundet die Insel selbst. Sie ist klein, misst nur rund zwei Kilometer in der Länge und etwa 300 Meter in der Breite. Für diese überschaubare Fläche hat La Giudecca Erstaunliches zu bieten und ganz nebenbei ist sie auch noch mehrfach in die deutsche Literatur eingegangen. Das imposanteste Gebäude der Insel ist zweifelsohne "Il Redentore". Der Architekt dieses ausgewogenen Bauwerks ist kein Geringerer als Andrea Palladio, der im 16. Jahrhundert mit den Arbeiten begann. Genau wie die Kirche "Santa Mara della Salute" gegenüber ist auch "Il Redentore" eine Votivkirche, die das Ende einer Pestepidemie markiert. Zudem findet man auf La Giudecca mit Sant' Eufemia eine der ältesten Kirchen Venedigs; sie datiert ins 9. Jahrhundert zurück. Die dritte im sakralen Bunde ist die Chiesa delle Zitelle.

Die Insel hat aber auch einiges an weltlichen Attraktionen zu bieten. An ihrem westlichen Ende findet man zum Beispiel ein großes Gebäude im neugotischen Stil, das bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die größte Nudelfabrik Italiens – die "Molino Stucky" – beherbergt hat. Für die Erweiterungen dieses Ziegelbaus war übrigens ein deutscher Architekt verpflichtet worden, der Hannoveraner Ernst Wullekopf. In der Nachkriegszeit stand das Gebäude dann lange leer und verfiel zunehmend. Nach einer Übergangszeit, in der es als Ausstellungsraum genutzt wurde und zwischendurch auch mal einen Brand zu verkraften hatte, ist es heute ein Hotel, das zu einer internationalen Kette gehört. Nicht weit davon entfernt gibt es ein Filmstudio, in dem bis heute fleißig gedreht wird.

So klein sie auch sein mag, in der deutschen Literatur ist die Insel Giudecca groß rausgekommen. Sie wird bei Goethe und Schiller ebenso erwähnt wie bei Theodor Fontane, E.T.A. Hoffmann und Hugo von Hofmannsthal. Ihr berühmtester Bewohner war Michelangelo, der hier drei Jahre lang eine Art freiwilliges Exil verlebte.

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Das Arsenal

Es hat Seltenheitswert, wenn man in Venedig mal eine Ortsangabe machen kann, die die Worte "immer geradeaus" beinhaltet. Hier kommt eine dieser raren Ausnahmen: Vom Dogenpalast spaziert man immer geradeaus die Riva degli Schiavoni entlang – vorbei an den berühmten Hotels Danieli und Londra Palace – und gelangt an deren Ende schließlich zum Arsenal. Das ist der Name der historischen Werft, die für die Seerepublik Venedig für viele Jahrhunderte lang von existenzieller Bedeutung gewesen ist. Ihre Fläche nimmt etwa zehn Prozent des historischen Zentrums ein.

Arsenal in Venedig
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Thomas Max Müller

Mit dem Bau des Arsenals wurde im Jahr 1104 unter dem Dogen Ordelaf Falier begonnen. Ursprünglich bestand das Gelände nur aus zwei sumpfigen Inseln im Stadtteil Castello. Im Laufe seiner langen Geschichte als Werft, Zeughaus, Pulverlager und Marinebasis ist das Arsenal mehrfach erweitert worden. Wer das frei zugängliche Arsenal heute besucht, der braucht ein bisschen Phantasie, um sich auszumalen, was hier einmal los gewesen sein muss. Nach Jahrhunderten eifriger Betriebsamkeit wirkt das Arsenal jetzt beschaulich, fast verlassen und ist eher ein Ort, an dem man im hektischen Venedig zur Ruhe kommen kann. Zu den besten Zeiten aber haben hier rund 30.000 Menschen Tag für Tag Schwerarbeit geleistet, um die Schiffe, die die Seerepublik Venedig zur Beherrschung des Mittelmeerraums benötigte, zu bauen und instand zu halten. Es gibt kaum einen Bereich der Geschichte, in dem das Arsenal nicht eine gewisse Rolle spielt. Für die Geschichte der Wirtschaft stellt es den größten Produktionsbetrieb dar, den es jemals in Europa vor der Industrialisierung gegeben hat. In der Literaturgeschichte ist es kein Geringerer als Dante Alighieri (1265-1321), der das Arsenal in seiner Göttlichen Komödie besingt und eindrucksvoll den Lärm, die Hitze und den Produktionsdruck beschreibt. In der Architekturgeschichte sind es die beiden Türme links und rechts vom Eingang zum Arsenal (Ingresso all'Acqua), die Furore machen. Sie sind die ersten Bauten in Venedig, die im Stil der Renaissance errichtet wurden.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, was im heute fast verträumten Arsenal einmal geleistet wurde, hier ein Beispiel: Im Jahr 1570 kämpften die Venezianer gegen die Türken. Binnen zwei Wochen wurden im Arsenal 100 Galeeren für die Seeschlachten gebaut. Das war nur durch eine extrem effiziente Organisatin möglich. Sämtliche Bauteile der Galeeren waren genormt und lagen im Arsenal auf Abruf bereit. Auch Venedigs Handelsflotte musste im Notfall herhalten. Die Handelsschiffe waren so klug konstruiert, dass sie ohne großen Aufwand zu einem Kriegsschiff umgerüstet werden konnten.

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Das Nachtleben von Venedig

Nachtleben und Venedig – das sind zwei Begriffe, die sich zwar nicht direkt gegenseitig ausschließen, die aber auch nicht wirklich gut zueinander passen. Zumindest dann nicht, wenn man vom historischen Zentrum Venedigs spricht. Auf dem Lido und in den Stadtteilen Venedigs, die auf dem Festland liegen, sieht die Sache ein bisschen anders aus. Doch zunächst mal eine Begriffsbestimmung. Was versteht man unter "Nachtleben"? Wenn damit Lokale, Discos und Clubs gemeint sind, die auch nach ein Uhr nachts noch geöffnet sind, dann ist es mit dem Nachtleben im historischen Venedig eindeutig schlecht bestellt. Genau wie es hier sehr strenge Brandschutzregeln gibt, gibt es auch ebenso strikte Lärmschutzverordnungen. Die Venezianer würden sonst mit Sicherheit nie ein Auge zubekommen. Die Stadt ist supereng bebaut und Stimmen und Musik werden in den kleinen Gassen enorm vervielfacht und intensiviert. Das bedeutet nicht, dass man in Venedig keinen Spaß haben kann. Wer aber eine Nacht durchtanzen möchte, der muss den Stadtkern verlassen und sich aufs Festland oder auf den Lido begeben. Dort wird alles geboten, was das vergnügungssüchtige Herz begehrt – von Kneipen mit Live-Musik bis hin zu Discos, von Kasinos (auf dem Lido) bis zu Etablissements mit Live-Shows ... Wer dagegen abends einfach nur auf venezianische Art und Weise ausgehen möchte, der wird auch im historischen Stadtkern auf seine Kosten kommen. Es wird zwar immer wieder geunkt, dass Venedig nicht nur historisch gesehen sondern auch in Bezug auf ihre Bevölkerung keine "junge" Stadt ist. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich gibt es in Venedig viele Studenten und die gehen wie alle Studenten überall sonst auch, sehr gern abends aus. Die Bars in denen man sie und auch andere junge Venezianer abends treffen kann, konzentrieren sich rund um den Campo Santa Margherita, nicht weit von der Universität ( Università degli Studi Ca' Foscari) entfernt.

Die Lokale am Markusplatz sind von allen Bars Venedigs am längsten geöffnet, hier kann bis Mitternacht, manchmal auch bis ein Uhr nachts etwas trinken. Allerdings, man mache sich bitte keine Illusionen. Diese Lokale werden kaum von Einheimischen besucht, sie sind auf Touristen zugeschnitten und Getränke oder kleine Snacks kosten dort ein kleines Vermögen. Warum also nicht mal das Nachtleben Nachtleben sein lassen und es den Venezianern gleichtun? Sie bleiben zwar nicht bis in die Puppen auf, dafür gehen sie aber auch nicht so spät aus dem Haus. In Venedig wird spätestens am Nachmittag bereits ein Glas Wein getrunken, die sogenannte "Ombra". Das ist das Wort für "Schatten" und bezeichnet jene Stunde am Tag, wo die Sonne langsam zu sinken beginnt. Dann ist es Zeit, in einem der zahllosen Bacari der Stadt das erste Gläschen zu nehmen. Das ist gewiss früh - ein "ombra" hat dafür aber auch nur 100 Milliliter Inhalt.

Wer es ganz stilvoll möchte, der kehrt bei "Do Mori" ein. Das ist Venedigs älteste Stehbar, sie liegt ganz in der Nähe des Fischmarkts an der Rialtobrücke in der Calle dei Do Mori. Seit 500 Jahren lassen sich die Venezianer hier ihren Wein schmecken. Heutzutage kann man zwischen hundert verschiedenen Weinsorten wählen. Das war nicht immer so, aber die zahllosen Kessel und Töpfen aus Kupfer, die von der Decke des Do Mori hängen, haben schon viele Generationen von Einheimischen und Besuchern erlebt. Ebenfalls eine Institution ist Harry's Bar, gleich hinter dem Markusplatz an der Calle Vallaresso S. Wer oben im Restaurant essen möchte, der muss unbedingt vorher einen Tisch buchen. Nach wie vor kann man aber spontan unten in die Bar reinschneien und einfach nur etwas trinken. Am besten, man lässt sich den weltberühmten "Bellini" mixen, der hier erfunden wurde. Nicht billig, aber "very, very Venice".

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Shopping

Typisch venezianische Souvenirs sind zum Beispiel Masken, wie sie im Karneval von Venedig getragen werden.

Wer ein Shopaholic ist und in Italien vor allem große Modelabel preiswert einkaufen möchte, dem sei Mailand mit seinen Designer-Outlets ans Herz gelegt. Venedig bietet sehr viel – ein klassisches Einkaufsparadies ist die Stadt aber nicht. Das bedeutet keineswegs, dass man hier kein Geld ausgeben kann, ganz im Gegenteil. Es sind nur eben nicht die üblichen Produkte, die man von hier mit nach Hause nehmen wird. Typisch venezianische Souvenirs sind zum Beispiel Masken, wie sie im Karneval von Venedig getragen werden.

Die Preiskategorie reicht dabei von billig bis fast unerschwinglich. Das Gleiche gilt für Glas aus den Bläsereien auf Murano. Teuer sind echte Burano-Spitzen; Marmorpapier dagegen ist ein venezianische Mitbringsel, das man sich durchaus leisten kann. Anbei ein kleiner Überblick, wo man was entdecken kann: In Castello und San Marco befinden sich die teuersten Geschäfte der Stadt mit internationalen Modelabeln und hochwertigen Läden für Glas, Porzellan, Silber und luxuriöser Haushaltswäsche. In La Fenice wird man die meisten Antiquitätenhändler finden; ein Einkaufsbummel in Canareggio bietet sich für alle an, die etwas Originelles für kleines Geld suchen. Am Rialtomarkt zwischen der Rialtobrücke und der Pescaria kann man montags bis samstags von 8 bis 16 Uhr lokale kulinarische Spezialitäten einkaufen. Örtliche Leckereien gibt es aber auch bei Giacomo Rizzo (Adresse: Calle San Giovanni Crisostomo 5778) - wie wäre es zum Beispiel mit Pasta in Gondelform?

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Öffentlicher Personennahverkehr

Die preiswerteste und auch witzigste Art in Venedig unterwegs zu sein, ist das Nutzen der Vaporetti. So heißen die Wasserbusse, die unentwegt auf dem Canale Grande unterwegs sind. Mit ihnen kann man aber auch die ganze Lagune erkunden. Sie laufen neben der Friedhofsinsel San Michele auch Murano, Burano und Torcello an und führen so nah an den unbewohnten Eilanden der Lagune vorbei, dass man auch von ihnen einen guten Eindruck bekommt. Wie überall sonst auf der Welt sind auch in Venedig die Einzeltickets vergleichsweise teuer. Günstiger ist es, sich von vornherein ein 24-Stunden-Ticket oder alternativ entweder ein Dreitagesticket oder ein Wochenticket zu kaufen.

Wasserbusse sind unentwegt auf dem Canale Grande unterwegs

Tickets sind in ausgewählten Zigaretten- und Zeitungsläden erhältlich, sowie an den Anlegestellen der Wasserbusse. Wer den Canale Grande einfach nur überqueren möchte, aber gerade keine Brücke finden kann, der nutzt eine der kleinen Fähren – Traghetti genannt. Hier steht man in aller Regel meist eher mit Einheimischen als mit Touristen zusammen und wird schnell und für unter einen Euro übergesetzt. Sitzplätze gibt es nur sehr wenige, sie sind alten Menschen vorbehalten oder solchen Gästen, die sich nicht wohlfühlen. Wer es eilig hat und nicht auf den Preis achten muss, der kann natürlich auch ein schnittiges Wassertaxi anheuern. Trotzdem wäre es nicht unklug, sich vor Fahrtbeginn über den Preis zu informieren. Gondeln sind eher ungeeignet, um in Venedig von A nach B zu kommen. Eine Fahrt mit ihnen stellt eher eine (teure!) Attraktion an sich dar und die meisten Touren mit einem Gondoliere enden dort, wo sie auch beginnen.

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Essen & Trinken in Venedig

Essen un Trinken in einem gemütlichen Trattorie oder Ristorante mit Blick auf das Wasser

In Venedig gibt es unglaubliche viele Möglichleiten, etwas zu essen und zu trinken. Am besten wird es einem hier gehen, wenn man in einem ebenso guten wie auch teuren Restaurant einkehren kann. Da das meistens nicht der Fall ist, hier ein paar grundsätzliche Informationen, wie man auch mit weniger Geld nicht nur satt wird, sondern Venedig kulinarisch genießen kann. Ganz wichtig ist, dass man sich so weit wie möglich vom Markusplatz entfernt, bevor man zum Essen Platz nimmt.


Imbiss

Auch eine unmittelbare Nachbarschaft zur Rialtobrücke sollte tunlichst vermieden werden. Egal, um welche Lokalität es sich auch handeln mag – im Bannkreis dieser beiden Touristenhochburgen zahlt man so gepfefferte Preise, dass es einem die Freude am Essen versalzen kann. Okay, weit genug weg? Dann kann es jetzt losgehen. Geht man in eine Osteria, findet man sich in einer traditionellen Weinstube wieder in der man auch essen kann. Die Karte wird überschaubar sein – und die Preise auch. In einem Baccoro befindet man sich im Herzen der venezianischen Alltagskultur. Hier gibt es neben Wein, Wein und noch mal Wein auch kleine Häppchen und Snacks. Ruinös wird es nur, wenn man die Übersicht über die Anzahl der Gläser verliert, die schon getrunken wurden. Etwas kostspieliger wird es in den Trattorien und den Ristorante. Her kommen zu den ausgewiesenen Preisen auf der Karte immer noch die Kosten für das Gedeck und den Service (um die 15 Prozent) hinzu. Außerdem wird ein Trinkgeld von gut zehn Prozent erwartet.

Wer nur mal schnell zwischendurch etwas trinken möchte, ist mit einem "ombre" gut beraten. Das sind 0,1 Liter Wein, die die Venezianer auch schon mal am Vormittag im Stehen nehmen. Kaffeedurst? Dann sollte man einen "americano" bestellen – der kommt dem deutschen Filterkaffee eindeutig am nächsten. Wer dagegen einen "caffé" ordert, der erhält einen Espresso.



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