Hausboot Urlaub: mal was anderes

Hausboot Urlaub: mal was anderes

Unterwegs sein, doch einmal ganz anders, als mit dem üblichen Wohnmobil. Die echte Alternative dazu ist ein Urlaub auf einem Hausboot, um Landschaften und Orte in einem gemütlichen Tempo vorbeiziehen zu lassen. Je nach Geschmack und Geldbeutel kann ein klassisches Boot oder eine luxuriöse Motorjacht gemietet werden, um für 2-3 Wochen das Leben auf dem Wasser zu verbringen. Die Personenanzahl variiert von 2–12 Personen, die auf dem Boot Platz finden. Diese schwimmenden Unterkünfte können bis zu 15 m lang und bis zu 4 m breit sein, je nach Größe und Bedarf. Wie auch Wohnmobile verfügt das Hausboot, über Kalt-und Warmwasser, Dusche/WC und eine Küche mit Herd und Kühlschrank. Wasser kann an speziellen Zapfvorrichtungen, die auf der Karte der Route eingezeichnet sind, aufgefüllt werden. Der Treibstoff, je nachdem Diesel oder Benzin, muss für den 2-3 Wochen dauernden Urlaub nicht nachgefüllt werden, und schon gar nicht, wenn das Hausboot mit Muskelkraft angetrieben wird, d. h., es muss in die Pedale getreten werden, um das Boot zu bewegen.

Hausboot Urlaub: mal was anderes

Zum Führen eines Hausbootes braucht es keine besonderen Bedingungen, außer einem Mindestalter von 18 Jahren, jedoch braucht es keinen speziellen Bootsführerschein, sondern nur eine Charter-Bescheinigung. Diese Charter-Bescheinigung ist zeitlich begrenzt und wird vom Hausboot-Vermieter erteilt, nachdem eine Einweisung und eine Probefahrt mit dem Mieter absolviert wurden. Zu beachten sind dabei nur die bestimmten Regeln, die wegen der Sicherheit, eingehalten werden müssen. So darf während der Nacht und starkem Wind nicht gefahren werden. Außerdem darf das Boot seine bestimmt Route nicht verlassen. Das Steuern und Navigieren eines Hausbootes ist auch für Ungeübte schnell zu lernen und sollte es trotzdem mal nicht so gehen, wie geplant, sind an den Außenwänden Kunststoffbojen oder Sandsäcke angebracht, um bei eventuellen Stößen, den Lack vor Schrammen zu schützen.

Es gibt verschiedene Arten der Hausboote, sie unterscheiden sich einmal zu dem fest verankerten Hausboot, das wie ein Haus, nur auf dem Wasser, genutzt wird. Speziell in Frankreich werden die sogenannten Pénichettes, ehemalige Frachtkähne, die zum Wohnen umgebaut wurden, auf den Flüssen und Kanälen gefahren. Ein anderer Typ ist das Narrowboat, mit einer Breite von nur 2 m, um sich für die schmalen Kanäle der englischen Midlands zu eignen. Eine dritte Möglichkeit ist das Seemobil, im Stil eines Ferienhauses, welche sehr viel in Deutschland auf der Müritz zu finden sind. Ein jeder, der schon immer einmal Kapitän sein wollte, jedoch auch gerne Land und Leute kennenlernt, aber trotzdem einen stressfreien, erholsamen Urlaub genießen möchte, ist auf einem Hausboot wirklich gut aufgehoben.

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Reviere für Hausboottouren - Urlaub mit dem Hausboot, aber wo in Europa?

Die Möglichkeiten eine Urlaubsfahrt mit dem Hausboot zu unternehmen, sind immens, sei es in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Spanien oder Italien. Jeder Reise lässt sich individuell gestalten und einrichten, wie eine Rundfahrt, eine Einwegfahrt oder eine Hin-und Rückfahrt, je nachdem wie lange der Urlaub dauert. Auf jeden Fall gilt der Grundsatz, beliebt ist, was gefällt.

Wer Frankreich und alte Schlösser mag, sollte bei einer Flussfahrt auf der 167 km langen Charente, voll auf seine Kosten kommen. Die Charente ist mit ihren 21 Schleusen, alle ohne Schleusenwärter, d. h., die Schleusen müssen selbst bedient werden, eine echte Attraktion neben den vielen kleinen Orten sowie den alten Mauerwerken. Andere Routen, die sich gegenseitig an schönen Landschaften und Sehenswertem übertreffen, gibt es in fast jeder Ecke von Frankreich, die vom Wasser aus zu entdecken sind. Wer nicht gar so weit fahren möchte, könnte Elsass-Lothringen bereisen. Ob in Burgund, in Südfrankreich, in der Bretagne, den Ardennen und der Picardie, auf dem Fluss le Lot oder, für ausgesprochene Naturfreunde, im Gebiet Maine-Anjou, überall findet sich eine Menge interessantes Anschauungsmaterial und reizvolle Landschaftsbilder, die langsam und gemächlich vorbeiziehen.

Reviere für Hausboottouren - Urlaub mit dem Hausboot, aber wo in Europa?
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Detlev Müller

Ein ganz besonders beliebtes Land für Hobbykapitäne sind die Niederlande mit ihren unzähligen Wasserwegen und Seen. Das Befahren des dichten Wassernetzes ist überhaupt nicht mit dem in Frankreich zu vergleichen, hier ist es so gut wie unmöglich, die Wege auf dem Wasser genau in Kilometern zu bestimmen. Dafür aber sind Supermarkt und Restaurant bequem mit dem Hausboot zu erreichen. Nicht umsonst hat fast jede holländische Familie ein Motorboot oder ein Hausboot direkt vor der Haustür. Eine Vielzahl von Anlegestellen sowie Einrichtungen speziell für alle, die mit Booten unterwegs sind, laden zum Verweilen ein, um auch ab und zu mal festen Boden unter die Füße zu bekommen. Friesland, seine Seenplatte, eine Unzahl an Verbindungskanäle mit beweglichen Brücken und die vielen hübsch anzusehenden Windmühlen sind einfach ein kurzweiliges Erlebnis. Wer von der Gemütlichkeit und Ruhe genug hat und sich nach buntem Treiben sehnt, wird in Amsterdams Grachten und Kanälen, genau dies finden. Die Hauptstadt Hollands vom Wasser aus zu besichtigen, wird zu einem kleinen Abenteuer. An der ersten Schleuse Amsterdams erhält der Ankömmling einen Stadtplan mit den Kanälen und den Brücken – so gut ausgerüstet, kann auch ein Freizeitkapitän die Stadt nach seinen Sehenswürdigkeiten durchkämmen.

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Voraussetzungen, Anbieter, Buchung - Ein Hausbooturlaub, was muss getan werden?

Voraussetzungen

Der große Vorteil eines Hausbootes, es wird kein Bootsführerschein oder gar eine Kapitänslizenz benötigt, d. h., es sind keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich. Jeder, der 18 Jahre alt ist und sich dafür eignet, kann ein Hausboot mieten und auch fahren. Ist ein Mietvertrag für einen Zeitraum zustande gekommen, erhält der Mieter vom Vermieter eine Charter-Bescheinigung, die zum Führen des Bootes für eine begrenzte Zeit berechtigt. Der Hausboot-Vermieter sollte allerdings den Mieter, im Umgang mit dem Boot, unterweisen und eine Probefahrt abhalten. Danach kann die Reise losgehen. Für eventuell eintretende Schäden oder Defekte am oder im Boot hat der Verleiher einen Service, der jederzeit erreichbar ist und einen Techniker vorbeischickt.

Veranstalter und Buchung

Die Hausboot-Veranstalter, die die meisten Boote im Programm haben und Frankreich sowie die Niederlande anbieten sind: Le Boat, Cardinal Boating Holidays, Locaboat Holidays. Anbieter nur für Frankreich: Navig France, Rive de France und Nicols. Anbieter nur für die Niederlande: F.N.M.A Charters, Jachtcharter Panorama, Jachtcharter Wetterwille. Alle Details, wie Mietzeit, Personenanzahl, Bootstyp und Route, sowie die Kontaktdaten des potenziellen Mieters werden per E-Mail an den Anbieter geleitet und dort bearbeitet und es kann auch auf diesem Weg gebucht werden.

Preise und Nebenkosten

Die Preise rangieren von 560 € (Nebensaison) bis 1.595 € (Hauptsaison) für ein normal komfortables Boot für 4 Personen. Für eine Luxusausführung 1.365 € (Nebensaison) bis 4.200 € (Hauptsaison), dieser Preis gilt für bis zu 8 Personen. Mit leichten Abweichungen sind die Preise für Frankreich und den Niederlanden gleich. Allerdings unterschiedlich in den Nebenkosten, die zu den Mietpreisen noch hinzukommen. Dazu gehört eine Kaution je nach Bootstyp und Anbieter zwischen 500 und 1.500 €.

Alternativ kann eine Charterversicherung abgeschlossen werden. Der Preis je nach Bootstyp beträgt 79 – 240 €. Eine Treibstoffkaution bis zu 150 € pro Woche muss hinterlegt werden. Der Treibstoff selbst wird nach Betriebsstunden abgerechnet entweder ca. 150 €/Woche oder mit 7–8 €/Stunde. Einwegzuschläge werden erhoben zwischen 75 – 150 € je nach Länge der Strecke. Überführungskosten für das Auto ca. 50 € je nach Strecke. Parkgebühren von 30 – 45 € je nach Hafen, bei einem Anbieter ist dies kostenlos. Fahrradvermietung ca. 40 €/Woche, Mountainbikes ca. 50 €. Für die Endreinigung wird, falls es nicht besenrein übergeben wird, zwischen 25 und 120 € erhoben. Ein einziger Anbieter (Locaboat Holidays) bietet eine Flatrate für 48 – 62 €/Tag, die beinhaltet eine Vollversicherung für das Boot, eine Endreinigung, 1 Fahrrad sowie die Treibstoff- bzw. Benzinkosten.

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Eine Tour in Frankreich: im Hausboot auf dem Canal du Midi von Castelnaudary nach Homps!

Schon unser erster Urlaub, den meine Freundin und ich, mit 19 Jahren, alleine machen durften, führte uns nach Südfrankreich. Im Laufe der Jahre hatten wir keine einzige Ecke ausgelassen und kennen nun wirklich jeden einzelnen Campingplatz. Zwischen unserem letzten gemeinsamen Urlauben, wir waren 25 Jahre alt, und heute, liegen ca. 30 Jahre, in denen meine Freundin ihre Urlaube mit ihrer Familie verbracht hat.

Carcasson
Quelle: pixelio.de        Fotograf: "KFZ"

Nun, da ihre Kinder aus dem Haus sind und ihr Mann auch mal alleine zu Hause bleibt, sind wir auf die Idee gekommen, es doch noch einmal zu wagen, unseren Erinnerungen in Südfrankreich nachhängen. Nur auf Luftmatratzen schlafen kommt für uns nicht mehr infrage, also was tun – ein Wohnmobil mieten? Nach einigem Stöbern im Internet, traf ich auf Hausboote, und da wir beide das Wasser mögen, aber noch nie einen Urlaub auf einem Boot verbracht haben, erschien uns dies als das Richtige für zwei Frauen, die schon in die Jahre gekommen sind. Da auch kein Bootsführerschein vonnöten ist, war unser gemeinsamer Urlaub eine beschlossene Sache.

Nachdem wir uns auf den Termin, 1 Woche im April 2009, geeinigt hatten, suchten wir fleißig nach einer Route und einem Hausboot. Unser Ziel stand bald fest und hieß Canal du Midi, was auf deutsch "Kanal des Südens" bedeutet. Dieser 237 km lange Kanal wurde bereits Mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts gebaut, und verbindet das Mittelmeer mit der Stadt Toulouse. Von hier aus geht es weiter, über den Garonne-Seitenkanal, bis nach Bordeaux zum Atlantik. In einer tiefer liegenden Ebene, zwischen Pyrenäen und Zentralmassiv, beginnt der Canal du Midi, der seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, in Toulouse und passiert, mit ca. 63 Schleusen auf der Strecke, Carcassonne, Béziers und Agde, um dann in den Étang de Thau, einer Lagune, zu münden. Nach Durchqueren des Strandsees erreichen die Schiffe die Stadt Sete am Mittelmeer.

Das Heim für ein Woche!

Wir haben uns für unsere Wasserwanderung das Hausboot "Consort" ausgesucht, das bei unserem Veranstalter mit 3 Ankern versehen ist, d. h., es gehört in die Kategorie komfortabel. Das Boot ist 9,45 m lang und 3,50 m breit, hat einen Dieseltank mit 250 l, einen Wassertank mit 520 l, besteht aus einer Kabine, einer Nasszelle (Dusche/WC), einer Kombüse (Küche), einer Steuerposition und hat außen eine Badeplattform. Zur Ausstattung gehören ein CD-Player, ganz wichtig, denn ohne Musik geht bei uns beiden nichts, Bettwäsche, Handtücher und Geschirr, ist alles im Mietpreis enthalten. Gebucht haben wir, wie es auf der Internetseite angegeben war, um die 10 % Frühbucherrabatt zu bekommen, vor dem 31.12.2008. Nachdem wir die Bestätigung erhielten, ist uns erst einmal der Schreck in die Glieder gefahren, denn zu den 935 € Miete für 1 Woche, kamen noch diverse Kosten hinzu, wie Charterversicherung (dafür keine Kaution), Einwegzuschlag, Kaution für den Treibstoff, Pauschalbetrag für meinen Hund, Fahrzeugüberführung, Parken und Wasserkarte. Insgesamt und abzüglich der 10 % Rabatt, mussten wir rund 1.500 € überweisen. Dafür hatten wir sämtliche Unterlagen, etwa 10 Tage später, in den Händen. Jetzt konnten wir nur noch abwarten, bis der ersehnte Urlaub angetreten werden konnte.

Endlich Urlaub!

Das war dann endlich Anfang April so weit, wir hatten gebucht vom 4. – 11. April 2009 (von Samstag zu Samstag). Da wir ja die Strecke von Frankfurt aus nach Südfrankreich gut kennen, wussten wir auch, wie lange wir unterwegs sein würden. Also haben wir einen Tag vorher unsere Koffer gepackt und sind samt Hund, abends so gegen 20.00 Uhr, die Strecke ist ca. 1.200 km lang, auf die Autobahn Frankfurt-Basel, um rechtzeitig am Samstagvormittag in Castelnaudary am Anlegeplatz zu sein. Am Autobahnkreuz Mulhouse, ca. 80 km vor Basel, ging es dann auf die französische Autobahn in Richtung Lyon und von dort entlang der Rhone in Richtung Süden. Wir sind wirklich fast an einem Stück gefahren, aber da wir uns abwechselten, war dies kein großes Problem. Nach fast 14 Stunden Fahrt hatten wir unser Ziel pünktlich erreicht und sind sogleich in das Büro des Veranstalters gegangen. Als Erstes kam nun der Teil, vor dem wir uns beide etwas fürchteten, die Einweisung und Probefahrt und die ersten Berührungen mit unserem neuen fahrbaren Untersatz. Der erste Kontakt mit dem Angestellten des Büros war sehr herzlich und sehr zufriedenstellend, was die allgemeinen Informationen betraf. Nachdem wir unsere Koffer und den Hund auf das Boot verfrachtet hatten, das im Bassin des Kanals in der Stadtmitte lag, und alles in Augenschein genommen hatten, begann die Schulung. Nur gut, dass wir beide der französischen Sprache mächtig sind, denn unser Gegenüber sprach weder deutsch noch englisch, dies hätte zu wirklichen Schwierigkeiten führen können, gerade in Bezug auf technische Details, die für uns sehr wichtig waren.

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Castelnaudary

Nachdem wir unsere Einweisung hinter uns und die Charter-Bescheinigung in der Tasche hatten, bevor wir uns auf den Wasserweg machten, wollten wir noch etwas einkaufen und ein wenig die Stadt anschauen, um natürlich auch die berühmte Spezialität, die "Cassoulet des Castelnaudary", einem Eintopf aus weißen Bohnen, Speck, Schweine-Lamm-und Entenfleisch und Würstchen, zu probieren, denn ein Mittagessen hatten wir noch nicht. Nachdem wir gegessen hatten, war es auch Zeit für das Einkaufen, was wir dann auch schnell erledigten. Nun war die Zeit gekommen, um endlich den ersten Kilometer von 81 km und die erste Schleuse hinter uns zu bringen. Davor grauste es uns nun doch schon ein wenig. Was auf dem Papier sich so leicht liest, heißt ja in der Realität noch nicht, dass es das auch wirklich ist. Auf jeden Fall sind wir, und Hund auch, ziemlich aufgeregt, endlich auf dem Boot zu sein und die leckeren Sachen, den Wein und Mineralwasser zu verstauen, Leinen los machen und das Hausboot hat endlich Fahrt.

Unterwegs

Idylle
Quelle: pixelio.de        Fotograf: "Ray 59"

Nachdem wir das Bassin hinter uns ließen, das ja schön breit war, sodass es keine Gelegenheit gab, irgendwo anzustoßen, waren wir doch erleichtert, wie einfach es sich auf dem Kanal selbst fahren lässt. Viel Verkehr herrscht ja nicht, um nicht zu sagen gar keiner, zu dieser Jahreszeit erst recht nicht. Wenn es viel waren, sind uns höchstens zwei Boote am Tag begegnet, mit Leuten, die wie wir die Stille und Einsamkeit suchten. Denn ruhig ist es, dass man außer dem Plätschern des Wassers und dem Motor nichts hört. Nach ein paar Kilometern der Idylle erreichten wir die erste Schleuse, jetzt kam es drauf an, ob wir auch wirkliche Freizeitkapitäne sind, denn die Schleuse mussten wir ganz alleine bedienen. Ganz wie es auf der Beschreibung stand gaben wir vor der Einfahrt einen Code ein, und fuhren dann vorsichtig hinein, danach musste das Boot vertäut werden, was ich übernahm und begab mich dafür an Land, meine Freundin warf mir dann die Leinen zu, um sie dann festzumachen. Dann noch ein Knopfdruck und alles Weitere lief automatisch, wie von selbst. Da wir bergab fuhren, ging es sozusagen auch nach unten, d. h., das Wasser wurde aus der Schleusenkammer abgelassen, dann öffnete sich das untere Tor und wir konnten aus- bzw. weiterfahren.

Schleusen

Die erste Schleuse hatten wir ohne Schaden überstanden, die Freude darüber war groß und ein Anlass zum Feiern am Abend mit Baguette, viel Käse, Obst und einer guten Flasche kraftvollen Rotweins, der hier im Languedoc-Roussillion überall angebaut wird und eine große Bedeutung im französischen Weinbau erfährt. Einen Platz zu finden, wo nachts angelegt werden kann, ist sehr einfach, denn entlang des Kanals finden sich immer Wurzeln oder Hölzer, die sich zum Festmachen eignen. Das Anlegen bei Nacht ist Bedingung, denn mit einer Charter-Bescheinigung ist es verboten, nachts oder wenn es stark windet zu fahren. Die meiste Zeit verbrachten wir in der totalen Einsamkeit, denn, wer daran denkt abends einen Bummel durch einen der Orte zu machen und sich in einem Bistro niederzulassen oder um Geschäfte anzusteuern, hatte Pech. Die kleinen Orte hier verfügen über keinerlei Nachtleben oder Restaurants, ab ca. 19 Uhr sind die Dörfer sozusagen ausgestorben. Diese Ruhe war auch noch verstärkt, da unser Urlaub in einer absoluten Nebensaison lag. Nun langweilig wurde es uns nicht, da die Schleusen zwischen Castelnaudary und Homps, sich in relativ kurzen Abständen aneinanderreihen, hatten wir ja auch immer reichlich zu tun, sodass schon nach der vierten Schleuse, eine gewisse Routine vorhanden war und die Schleusen jedes Mal leichter zu bewältigen.

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Carcasson

Carcasson
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Helmut Wegmann

Etwa auf halber Strecke waren wir wieder mitten im Leben, als wir die Stadt Carcasson erreichten, deren berühmte Citè hoch hinausragt und schon von Weitem zu sehen ist. Die Stadt mit 44.000 Einwohnern ist Präfektur des Departments Aude. Caracasson ist die, am besten erhaltende, Festungsstadt in Europa und wurde bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründet. Innerhalb der doppelten Festungsmauern ist heute ein reines Touristenzentrum, in dem Autos verboten sind, was dem Château Comtal und den Mauern mit Sicherheit gut tut. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale St. Nazaire de Carcasson, die Bastide Saint-Louis, die Brücke Point Vieux und der Canal du Midi, der nicht immer mitten durch Carcasson floss. Erst als seine Bedeutung klar lag, wurde er von außerhalb der Stadt, durch die Stadt umgelenkt. Uns kam das sehr gelegen, denn so konnten wir mitten in die Stadt fahren und nach den stillen Tagen, so richtig das bunte Treiben in der Altstadt von Carcasson genießen. Viele kleine Geschäfte, Restaurants, Bistros, eben alles, was das Herz begehrt.

Carcasson
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Siegbert Heinecke

Da unser Auto beim Veranstalter geparkt war und wir Lust verspürten einen Tag am Meer zu verbringen, war die Gelegenheit hier groß, einen Autoverleih zu finden und einen Badetag, zumindest zum Sonnenbaden am Meeresstrand, einzulegen, denn das Wasser im Canal du Midi macht nur dem Hund nichts aus, um darin zu schwimmen. Der Ausflug hat sich sehr gelohnt, denn wir haben noch viel von der ganzen Region zu sehen bekommen, nun zumindest aus einer anderen Perspektive. Zuerst waren wir im ca. 50 km entfernten Narbonne. Die Stadt war die erste römische Kolonie außerhalb von Italien. Zeugen dieser Zeit sind als Sehenswürdigkeiten noch erhalten, wie der Pont des Marchants, einer Häuserbrücke römischen Ursprungs, die Überreste der Via Domitia, der ersten Römerstraße in Gallien, im Stadtkern und dem Horreum, einem Kornspeicher, der in den Boden eingelassen ist sowie die Kathedrale Saint-Just, erbaut von 1272 – 1332, mit einer Chorhöhe von 41 m, der höchsten in Frankreich. Carcasson und Narbonne haben ein besonderes Flair, was die Jahrhunderte alten Bauwerke noch bestärken, ihre Gegenwart lassen die Mauern viele Geschichten über die Menschen der Städte erzählen, die jemals dort gelebt haben, etwas das lange im Gedächtnis bleibt. Mit einer beschwingten Stimmung, nachdem wir uns die Stadt angesehen hatten, erreichten wir endlich das Meer, am Narbonne-Plage, wo wir im weißen Sand die Seele baumeln ließen, bis wir an unseren Anlegeplatz in Carcasson zurückkehrten. Eine schöne Abwechslung, die noch ein paar Tage anhielt, während wir die Ruhe und Stille am Canal du Midi noch 3 Tage, bis zu unserem Ziel, Homps, noch gut nutzen konnten.

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Das Leben auf dem Hausboot

Leben auf dem Hausboot
Quelle: pixelio.de        Fotograf: "Lief 46"

Gemütlich, ja, so konnten wir unsere Fahrt auf dem Kanal bezeichnen, keine Hektik und kein Druck, meine Freundin und ich haben uns am Steuer, von Schleuse zu Schleuse, abgewechselt, sodass einer sich in der Sonne aalen konnte oder den Hund beschäftigte. Meist waren wir am frühen Nachmittag an dem Punkt angekommen, den wir für die nächste Übernachtung ausgesucht hatten, um Zeit zu haben, die Umgebung zu erkunden. Dabei kamen uns die alten Treidelpfade, die rechts und links des Kanals erhalten sind, sehr zu Hilfe, wo in früherer Zeit Pferde oder Menschen die Boote an Stricken den Kanal entlang zogen, luden sie uns förmlich zum Spazieren ein. So hatte mein Hund auch immer genug Auslauf. Teilweise wandelten wir unter Platanen, die am Kanal irgendwann einmal gepflanzt wurden und so Schutz gegen Sonne bieten, an Weinbergen vorbei und dann durch ein kleines Dorf laufen, ist mehr als nur Erholung.

Doch wer sich so, wie wir, in die Einsamkeit begibt, sollte dies auch wirklich mögen. Als junge Frauen konnte es uns nie laut genug sein, aber das hat sich bei uns total verändert. Bei mir wohl noch mehr als bei meiner Freundin, doch da wir ja zu zweit mit Hund waren, konnte von absoluter Stille nie so richtig die Rede sein. Viel miteinander reden konnten wir schon immer und dies ohne Pause, doch war außerdem auch für unsere Unterhaltung am Abend gesorgt, der CD-Player berieselte uns mit Musik und diverse Spiele, die wir in weiser Voraussicht eingepackt hatten, vertrieben uns die Stunden vor dem Schlafen. Lange dauerte es nicht, bis wir müde wurden und recht frühzeitig unsere Betten heimsuchten. Die Arbeit eines Bootsmannes zu verrichten ist ja für ungeübte Landratten nicht so leicht zu bewältigen.

Essen und Trinken!

Ein Aufenthalt in Carcasson war wirklich gut, was unsere Einkaufsmöglichkeiten anbelangte, denn hier konnten wir in einem großen Supermarkt, all das kaufen, was wir brauchten, ohne gleich 3-mal so viel zu bezahlen. In den kleinen Orten gab es zwar auch Lebensmittel und Getränke, doch waren diese viel zu teuer und wir haben uns deshalb nur auf die täglich frischen Baguettes beschränkt, die wir in einer Boulangerie morgens holten. Hundefutter hatte ich von zu Hause genügend eingepackt, das ist in Frankreich allgemein sehr teuer, und mein Hund mag auch nur ganz bestimmte Sorten. Dank der funktionellen Kücheneinrichtung auf dem Boot fehlte uns nichts zum Kochen, was wir auch fast immer taten, mit Ausnahme der Tage in Carcasson und in Narbonne.

In der Markthalle von Narbonne deckten wir uns mit Meeresfrüchten und wirklich besonderen Käse ein, was sich als ausgesprochener Glücksfall erwies. Da es in der Region sehr viel Weinanbau gibt, kam uns die Idee, auf die Suche nach einem Winzer zu gehen, der uns seinen kleinen "Betrieb" zeigt und wir gleichzeitig den Wein probieren konnten, um ein paar Flaschen mit nach Hause zu nehmen. Das war ein schwieriges Unterfangen und leider vergebens, da die meisten Winzer in Genossenschaften zusammengeschlossen sind und ihre Kellereien nicht öffentlich sind. Somit mussten wir uns letztendlich mit einem Supermarkt begnügen und den Wein dort kaufen. Das nächste Mal werden wir uns vorher besser informieren, denn soweit hatten wir gar nicht gedacht.

Schlafen und Duschen

Da unser Boot für zwei Erwachsene mit zwei Kindern ausgelegt war, konnte es sich jeder von uns in einer breiten Koje gemütlich machen. Die Betten waren weder zu weich noch zu hart, was hieß wir waren immer ausgeruht, es sei denn, der Hund hat nachts zu laut geschnarcht. Ich muss gestehen, dass ich morgens dann nicht sehr gerne in das "Badezimmer" ging, das für meine Begriffe einfach zu eng war und ohne offen gelassene Tür, konnte ich nicht duschen. Dies ist aber wirklich der einzige Punkt, den ich nicht besonders gut fand. Realistisch betrachtet ist es auf so beengten Raum, wie unserem Hausboot dennoch nicht anders möglich, es liegt eben an meiner leichten Klaustrophobie, dass ich mich darin unwohl fühlte. Wasser hatten wir immer und haben nur einmal nachfüllen müssen. Dafür waren auf der Strecke eingezeichnete Wasserhähne vorgesehen, die auch problemlos funktionierten. Allerdings hatten wir Glück einen Wasserhahn zu benutzen, der kostenlos zur Verfügung stand. Wir hörten von anderen, die wir hier trafen, dass sie auch schon in Orten Wasser getankt hatten, wo am Wasserhahn ein Münzautomat für 1 oder 2 Euromünzen angebracht war, aber sie leider kein passendes Geld dabei hatten und kein Geschäft in der Nähe, wo sie hätten wechseln können.

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Unser Ziel auf dem Canal du Midi naht...

Canal du Midi Schleusen

Nach fast einer Woche auf dem Canal du Midi, sind wir richtige Profis im Umgang mit dem Boot und in der Betätigung der Schleusen sowie das Ein- und Ausfahren, so als hätten wir niemals etwas anderes getan. Diese Tatsache hat uns selbst überrascht, zumal wir ja zwei Frauen alleine unterwegs waren, aber das bestätigt ja eigentlich nur, wie einfach ein Hausboot zu handhaben ist und es hat uns nicht nur Spaß gemacht, sondern es war eine ganz neue Erfahrung. Auch die Jahreszeit hatten wir gut gewählt, denn auch schon im April war es teilweise ziemlich warm, und da das Steuer unter Deck war, wird es im Sommer sehr unangenehm heiß. Meine Freundin und ich möchten auf jeden Fall noch einmal so eine Reise machen, allerdings eine andere Strecke und mindestens für zwei Wochen. Doch war es eine gute Entscheidung für das erste Mal eine kürzere Zeit zu wählen, um zu sehen, ob ein Hausboot das Richtige ist. Da wir beide eingefleischte Camper mit Zelt sind, bietet ein Hausboot geradezu ein Luxusleben, das uns in vielen kleine Details sehr entgegen kommt, nämlich einmal einen gewissen Komfort und viel Wasser um uns herum, was meine Freundin, mein Hund und ich sehr mögen.

An unserem letzten Abend auf dem Hausboot, unser Anlegeplatz war ca. 4 km vor unserem Ziel, ließen wir noch einmal alles Revue passieren, was wir erlebt haben und wie wir die Eindrücke von der Landschaft, das Hausboot und den Canal du Midi wahrgenommen haben und wir beide kamen zu dem Schluss, dass es ein echter Alternativurlaub ist, der erlaubt, in entspannter Atmosphäre eine Menge zu sehen und zu erleben. Wie wir von anderen auch hörten, sind die meisten Veranstalter, die Hausboote anbieten, sehr zuverlässig mit dem, was sie aussagen und versprechen. Damit sind Mietpreise und Nebenkosten gut angelegt, zumal auch unser Boot und die Ausstattung in sehr gutem Zustand war. Der letzte Morgen auf unserem Boot war angebrochen, der unsere Stimmung etwas trübte und etwas Wehmut hatte sich über uns gelegt. Nun, da Homps immer näher rückte, waren wir beschäftigt das Boot auf Vordermann zu bringen, um es ordentlich wieder abzugeben und somit verflog auch die etwas gedrückte Laune. An der Anlegestelle wurden wir schon erwartet, denn wir waren pünktlich zur Stelle, ich weiß zwar nicht, wie wir das geschafft haben, doch es war so. Der Angestellte vom Veranstalter inspizierte sogleich das Boot und befand alles in Ordnung, und wir konnten unser Auto, das schon am Anlegeplatz parkte gleich beladen. Danach mussten wir noch einmal ins Büro, um das Benzin abzurechnen, was mit den 200 € Kaution verrechnet wurde. Wir bekamen noch 34 € zurück.

Rückfahrt

Da wir ja beide nicht mehr arbeiten, haben wir uns, nachdem wir Homps verlassen hatten, noch ein wenig in der Gegend umgesehen und sind dem Canal du Midi noch weiter bis zum Mittelmeer gefolgt, um noch andere Anlegestellen zu besichtigen. Dies sollte uns eine Idee für unsere nächste Hausbootreise geben, denn wir wollen ganz bestimmt noch einmal auf den Canal du Midi, nur das nächste Mal starten wir in der Camarque, durchfahren den Etang de Thau, nach Agde, Bézier und dann immer bergauf. Vielleicht können wir ja den einen oder anderen in unserem Freundeskreis überreden das nächste Mal mit uns zu kommen, was nicht mehr lange auf sich warten lässt, denn wir sind schon fleißig dabei, unsere neue Route auszuarbeiten.

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Eine Tour in den Niederlanden: mit dem Hausboot durch Holland

Eine Tour in den Niederlanden: mit dem Hausboot durch Holland
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Detlev Müller

Nachdem wir per Flugzeug oder Auto, die gängigen Ziele in Europa bereisten und ich einfach keine Lust mehr auf einen Hotel/Strandurlaub verspürte, durchstöberte ich eines Tages das Internet, um nach einer Alternative zu Altherkömmlichem zu suchen. Ich forschte nach Wohnmobilen, was wir auch noch nie probiert hatten, doch wollte mir dies auch nicht so recht gefallen. Ich überlegte erst einmal, in welchem Land ich wirklich noch niemals war. Ich musste nicht lange nachdenken, denn ich weiß es – ich war noch niemals in den Niederlanden, obwohl, oder weil es viel zu nah liegt. Während ich mich intensiver damit beschäftigte, stolperte ich förmlich über eine Seite, die Ferien mit dem Hausboot anpriesen. Genau dies war der Kick, der mir schon lange fehlte.

Lächelnd zeigte ich meinem Freund den Fund und wie auch ich, war er sofort begeistert. Wir diskutierten schnell die Vor-und Nachteile und kamen zu dem Schluss, es eine Woche, vom 25.04. – 03.05., es zu probieren und zu sehen, ob wir uns damit wirklich anfreunden können. So hatten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, einmal eine echte Alternative zu unseren sonstigen Urlauben und wir besuchten ein Land, in das wir beide noch nie einen Fuß gesetzt hatten. Ich schickte noch am selben Tag eine Anfrage an Crown Blue Line raus die auch gleich zwei Tage später antworteten, einmal mit einem Angebot einer Hausboot-Rundreise und einer Einwegreise. Wir sind die Routen gründlich durchgegangen und haben uns dann entschieden.

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Sneek – Loosdrecht – Strand Horst

Unser Favorit wurde die Einwegreise von Sneek in Friesland nach Strand Horst, mit einer Strecke von ca. 200 km, aber mit nur 6 Schleusen und dies gab den Ausschlag. Unser Hausboot hieß "Cirrus", 8,80 m lang und 3,60 m breit. Es hat eine Kabine, eine Doppelkoje, eine umbaufähige Sitzecke im Salon für 2 weitere Personen, eine Nasszelle (Dusche/WC) eine Kombüse (Küche) zwei Steuerstände und ein Sonnendeck. Nachdem die Rechnung über ca. 1.700 € von uns überwiesen wurde, dauerte es ein paar Tage und wir hatten die Unterlagen in unserem Briefkasten. Ein paar Wochen später sind wir von Köln aus mit dem Auto früh morgens losgefahren, denn am Nachmittag sollten wir mit unserem schwimmenden Haus in Sneek ablegen. Wir kamen pünktlich zur vereinbarten Zeit an und wurden sehr nett von einem Mitarbeiter empfangen. Wir haben sogleich unsere Taschen und Koffer an Bord gebracht und so konnten wir uns auch gleich mit dem Boot vertraut machen. Er übergab uns noch diverses Kartenmaterial und die Schlüssel, erhielten unsere Einweisung und machten mit ihm unsere Probefahrt – alles funktionierte bestens.

Eine Tour in den Niederlanden: mit dem Hausboot durch Holland
Quelle: pixelio.de        Fotograf: Günther Schad

So verabschiedeten wir uns von dem Mitarbeiter und unserem Auto und versuchten erst einmal uns ein wenig zu orientieren. Nachdem wir auf dem Boot alles verstaut hatten, gingen wir erst einmal los, um noch Lebensmittel und Getränke einzukaufen. Was für mich totales Neuland war, denn ich hatte bis dato keine Ahnung, was in Holland außer Gouda und dergleichen und Heringen noch gegessen wird. Nun, nachdem ich im Supermarkt die Runde gemacht hatte, wusste ich eine Menge mehr über die holländische Esskultur. Da wir selbst kochten, ist dies nicht allzu schlimm.

Den Ort Sneek haben wir uns auch gleich noch angesehen, zumindest das, was in der Kürze der Zeit möglich war. Sneek ist etwa 20 km von Leeuwarden entfernt, mit dem es durch eine Autobahn und eine Eisenbahnstrecke verbunden ist. An Sehenswertem gibt es das Wassertor, dem Wahrzeichen der Stadt, das einzigartigste Gebäude dieser Art in den Niederlanden. Die Martinikirche, die um 1100 entstand, mit einer Orgel, die 1710 eingebaut wurde, und das um 15. Jahrhundert erbaute Rathaus, das im 18. Jahrhundert im Rokoko-Stil renoviert wurde. Jedes Jahr im August findet hier die "Sneeker Woche", eine Segelregatta von großer Bedeutung statt. Nach zwei Stunden waren wir wieder bei unserem Boot und sind dann endlich gestartet.

Es ist absolut kein Wunder, dass fast jeder Holländer ein Boot besitzt, denn bei dem vielen Wasser, wo Supermarkt und Restaurants mit dem Boot anstatt mit dem Auto angesteuert werden, bietet sich dies gerade zu an. Das Wassernetz ist so dicht, dass es sich nicht genau bestimmen lässt. Die weitläufige Seenlandschaft, den Meeren, die großen, aber flachen Teiche, die Plassen sowie unzählige Verbindungskanäle sind charakteristisch für Holland. Eine Unzahl von beweglichen Brücken, die alten Windmühlen, die immer noch erhalten sind und die großen Weiden prägen dieses Land. Die friesische Seenplatte ist ein guter Start um sich so richtig an den Anblick zu gewöhnen und sich dann besser zurechtzufinden. Ich glaube ich habe noch niemals so viel "kleines" Wasser gesehen, wie hier. Wir hatten erst Bedenken, auf die Schnelle einen Anlegeplatz zu finden, doch das war total einfach, nach ca. 2 Stunden Fahrt, waren wir müde genug, um bald darauf in einen Tiefschlaf zu fallen, die frische Luft und die lange Fahrt nach Holland haben kräftig dazu beigetragen.

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Echtenerbrug – Griethoorn

Umso frischer waren wir am nächsten Tag, als wir uns in Richtung Echtenerbrug auf den Weg machten, um uns dort im Jachthafen etwas umzusehen und ein wenig zu bummeln.

Fahrräder haben wir auch mit an Bord, aber bisher ergab sich noch keine Gelegenheit und ich bin auch nicht unbedingt ein Freund der Zweiräder mit Muskelantrieb. Der nächste Ort, der auf unserer Liste steht, ist Griethoorn, auch Klein-Venedig oder Venedig des Nordens genannt.

Das 8 km lange Dorf ist um einen Dorfkanal angelegt und liegt mitten in einem Naturschutzgebiet, das mit dem benachbarten Nationalpark das größte Tieflandmoor in West-Europa darstellt. Die Häuser, mit ihren typischen Schilfdächern, stehen alle auf Anhöhen, durchzogen von unzähligen Querkanälen, mit den charakteristischen Holzbrücken, ein touristischer Anziehungspunkt, den niemand auslassen sollte. Wir auch nicht, denn das Bild, das geboten wird, kann nur mit niedlich umschrieben werden. Ich bin total begeistert davon, zumal an diesem Tag auch strahlender Sonnenschein herrschte und diesem Idyll noch einen besonderen Touch verlieh.

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Spakenburg – Muiden

Doch es gab noch viel zu sehen und wir sind wieder auf dem Wasser in Richtung des Fischerdorfes Spakenburg, denn samstags wird dort Markt abgehalten, den wir uns nicht entgehen lassen wollen, einmal zum Stöbern und Einkaufen, aber was am meisten reizt, sind die Frauen, die teilweise noch in ihren alten Trachten den Markt abhalten. In den paar Tagen haben wir uns zu richtigen Freizeitkapitänen gemausert und kommen ohne Probleme mit unserem Hausboot zurecht, obwohl auf den Kanälen und Seen oft ein reger Verkehr herrscht und wir entsprechend aufmerksam, die Segelboote, Motorjachten und Ruderboot im Auge halten mussten, was manchmal ganz schön anstrengend wurde. Um so mehr versuchten wir an "Land" uns umzusehen, damit uns auch nichts entgeht.

Doch es gibt auch immer wieder eine Steigerung, was Attraktionen anbelangte und wir wurden immer wieder neu überrascht. Der nächste wirklich schöne Ort, den wir ansteuerten, war Muiden, das ca. 15 km von Amsterdam entfernt liegt, mit seinem Muiderslot, was heute ein Museum ist, einem mittelalterlichen Wasserschloss, das zu den bedeutendsten in den Niederlanden gehört, und seinem historischen Obstgarten. Bemerkenswert auch die Festungsanlage im Hafen. In der Innenstadt von Muiden gibt es eine Herengracht, wie auch in Amsterdam, nur sind hier die Häuser bedeutend kleiner. Da wir nun schon Amsterdam in klein gesehen hatten und nur noch ein paar Kilometer davon entfernt waren, hatten wir für den nächsten Tag einen Abstecher in die Hauptstadt geplant, erst waren wir uns unschlüssig, ob wir mit dem Boot dorthin fahren oder nicht, sind aber dann davon abgekommen, eben wegen des regen Verkehrs auf dem Wasser und wir wollten nicht riskieren, dass etwas passiert, da wir noch relativ ungeübte Kapitäne waren.

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Amsterdam

Nachdem wir uns entschieden hatten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Amsterdam, der Hauptstadt der Niederlande, mit einem Regierungssitz, der sich im 50 km weit entfernten Den Haag befindet, zu fahren und uns in den Trubel einer Großstadt stürzten, konnte uns zu Fuß niemand etwas anhaben. Wer an Amsterdam denkt, sieht sofort die vielen Grachten, mit denen Amsterdam durchzogen ist, vor seinem geistigen Auge, denn dies ist wohl der Hauptanziehungspunkt der Stadt. Dazu gehören auch die typischen Giebelhäuser, die die Grachten rechts und links säumen. Genau, das können wir nur bestätigen. Es ist ein sensationeller Anblick, den vielen Booten auf den Kanälen zuzuschauen, denn das meiste Leben scheint auf dem Wasser stattzufinden.

Doch auch kulturell hat die Stadt einiges an Museen vorzuweisen, wie z. B. Schifffahrtsmuseum oder das Van-Gogh-Museum und noch viele mehr. Auch an historischen Bauten und Gebäuden herrscht kein Mangel. Interessant wäre noch, dass Amsterdam zu den wichtigsten Graffiti-Metropolen gehört. Einen Besuch in den berühmten Coffeeshops hatten wir von vornherein ausgeschlossen. Volle 5 Stunden marschierten wir durch Amsterdam, bis uns die Füße fast in Stich ließen, also kehrten wir mit unseren letzten Reserven zurück zu unserem Hausboot, das inzwischen in Loosdrecht an den fünf Seen vor Anker lag.

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Loosdrecht – Utrecht

Ganz in der Nähe von Loosdrecht liegt die Rundfunkstadt Hilversum, den Namen hat bestimmt schon jeder einmal gehört. Die fünf Seen, die auch die Loosdrechtschen Plassen genannt werden, waren ursprünglich eine Sumpflandschaft und dienten zum Torfabbau, deren Ausgrabungen bis zum Grundwasser stießen und mit Wasser füllten. Heute sind sie, besonders bei Deutschen, für den Wassersport beliebt. Nur zum Schwimmen eignet sich das Wasser nicht so gut, durch die starke Vermehrung von Algen, hat sich am Grund zu viel Schlamm angesammelt, das beeinträchtigt die Schifffahrt. Da wir keine großen Wassersportler sind, verweilten wir auch nicht mehr sehr lange dort und kamen dann auf die Idee, noch einen Abstecher in das nahe gelegene Utrecht zu machen, wohin wir dann auch nächsten Morgen aufbrachen, wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Utrecht hatte sich einen Namen bei Friedensverhandlungen gemacht, die von welthistorischer Bedeutung waren. Im 15. Jahrhundert ging es um Verträge und Friede zur Stellung der Hanse, um die Besitzrechte der Hanse klar abzustecken, im 18. Jahrhundert um Verträge und Friede zur spanischen Erbfolge, welche neben den Großmächten in Europa auch deren Kolonialbesitz regelten. Utrecht geht bis auf die Zeit 48 n. Chr. zurück, doch erst im 12. Jahrhundert wurde sie zu einer ummauerten Stadt. Utrecht hat die größte Universität der Niederlande, und neben der Universitätsbibliothek auch noch eine Reihe historischer Gebäude in der Altstadt. Mich erstaunte es jeden Tag neu, wie viele historische Bauten und Städte in Holland zu verzeichnen sind. Alleine die Windmühlen, die oftmals einige hundert Jahre alt sind und die alten Gemäuer, wie in Utrecht. Daran merkte ich wieder ganz deutlich, wie wenig wir über Land und Leute wussten.

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Essen und Trinken

Nun, das hat sich ja nun gründlich verändert, denn inzwischen wussten wir auch, was bei Holländern täglich auf dem Tisch steht. Das Lieblingsgetränk ist Bier, die Heineken-Brauerei ist in Amsterdam, nun das ist bekannt und dazu wird viel Fisch, besonders Matjes bzw. Hering gegessen, denn der soll ja bekanntlich gerne schwimmen, und natürlich alle anderen Arten von Meeresfischen und Früchten.

Kartoffeln gibt es auch, meist gesotten oder gebraten, denn zu fast allem gibt es Frites. Brot wird auch leidenschaftlich viel gegessen, ist nur nichts für unseren verwöhnten Gaumen, auch wenn es neben dem Weißen auch dunkles Brot gibt. Jedoch alle in etwa wie unser deutsches Toastbrot, das z. T. noch fester ist. Ich hörte jemanden mal sagen, das Brot wäre bessere Pappe.

An warmen Mahlzeiten werden Eintöpfe geliebt und in vielen Varianten auf den Tisch gestellt. Natürlich dürfen Käsesorten, wie Maasdamer, Leerdamer und Gouda auch nicht fehlen. Obwohl ein Mittagstisch sehr reichhaltig ausfallen konnte, ist es kein Essen, was ich unbedingt immer zu mir nehmen möchte.

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Strand Horst

Viel blieb von unserer Reise jetzt nicht mehr, dann schon am nächsten Tag am Nachmittag, tauschen wir das Hausboot gegen unser Auto ein, um dann in Richtung Heimat zu fahren. Doch noch sind wir friedlich vor uns hinschippernd, auf einem der Kanäle in Richtung Strand Horst unterwegs und sahen schon das Veluwemeer vor uns, nachdem wir in Loosdrecht wieder losfuhren, und erst mal ein Stück auf dem Ijsselmeer dahinglitten. Nun waren wir auf der Suche nach einem Anlegeplatz, um uns ein letztes Mal in unsere Kojen zu kuscheln. Doch vorher wollen wir nun endlich eine kleine Radtour unternehmen, die sich in der Veluwe mit ihrer Heide-und Waldlandschaft geradezu anbietet.

Danach verspeisten wir noch unsere kläglichen Reste, um dann für den Abreisetag im Schlaf Energie aufzutanken. Am Morgen, nach dem Aufstehen, packten wir unsere Sachen und räumten auf, denn wir wollten uns nach dem Anlegen in Strand Horst nicht mehr lange aufhalten, sondern uns noch ein wenig umsehen, bevor wir dann endgültig den Heimweg antraten.

Nach einer knappen Stunde waren wir am Ziel und wieder wurden wir schon von einem Mitarbeiter erwartet und begrüßt. Unser Auto stand auch schon parat. Die Formalitäten waren schnell erledigt und unsere Sachen verstaut, wir verabschiedeten uns. Jetzt erst hatten wir Zeit uns ein wenig hier umzusehen. Strand Horst, war ursprünglich ein Weiler und gehört zu Ermelo. Hier befindet sich der Jachthafen, wo wir auch anlegten und ein Badestrand. Um in die Stadt zu kommen, mussten wir ein Stück fahren. Ermelo hat insgesamt ca. 26.000 Einwohner und gehört zur Provinz Gelderland und setzt sich aus mehreren kleinen Orten zusammen, von denen wir uns unbedingt noch ein Bild machen wollten. Etwas später kehrten wir noch in einem Restaurant ein, denn dies mussten wir schließlich einmal machen, um uns ein genaueres Bild der hiesigen Küche zu bekommen.

Wir bestellten uns eine Meeresfrüchteplatte mit den obligatorischen Frites und Salat, das Brot dazu rührten wir nicht an. Wir tranken auch kein Bier, wie es sonst üblich wäre, denn wir mussten ja noch nach Köln fahren. Das Essen war überraschend gut und schmackhaft, was meinen etwas negativen Eindruck um mindestens zwei Stufen positiv anhob. Gesättigt und zufrieden war es nun endgültig Zeit, den Heimweg anzutreten.

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Eine gelungene Urlaubsfahrt

Wir hatten Glück mit dem Wetter, die meiste Zeit schien die Sonne, was an unserer gesunden bzw. gebräunten Gesichtshaut, regelrecht abzulesen war. Dies und das gesamte Überraschungspaket, denn das war dieser Urlaub für uns, hätte nicht besser sein können, was uns schon, obwohl wir noch nicht zu Hause angekommen sind, veranlasste über einen weiteren Hausbooturlaub nachzudenken und wir auch bestimmt wieder genießen werden.

Eine Tour in den Niederlanden: mit dem Hausboot durch Holland
Quelle: pixelio.de        Fotograf: "shssl"

Vom Tag, als ich den Veranstalter gefunden hatte, bis zum letzten Urlaubstag gab es absolut nichts zu bemängeln. Das Boot und die Innenausstattung waren sehr gut gepflegt und vor allem sauber, was beim Kühlschrank besonders wichtig ist. Die Nasszelle war etwas klein geraten, aber das lässt sich eben bei einem Boot in dieser Größe nicht ändern. Super sind die beiden Steuerstände, innen und außen, was sehr vorteilhaft sein könnte, sollte es im Sommer so richtig heiß werden, denn dann ist innen zu steuern, die reinste Qual. Die Betten bzw. Kojen waren bequem und weder zu hart noch zu weich, sodass wir ausgesprochen gut schlafen konnten.

Als wir uns mit der Idee befassten, uns als Freizeitkapitäne zu verdingen, hätten wir uns beide nie träumen lassen, dass alles so einfach zu handhaben war. Auch die 6 Schleusen, die wir alle mit Bravour durchliefen und wir vorher doch rechte Bedenken hatten, mit dem manövrieren Probleme zu bekommen, waren total unberechtigt, da die Schleusen mit einem Wärter versehen waren, der die Hauptarbeit übernahm und notfalls auch mal geholfen hat, wenn er bemerkte, dass absolute Laien am Werk waren.

Auch der Service des Hausboot-Vermieters scheint sehr gut zu funktionieren. Wir erlebten, wie ein ähnliches Boot wie unseres, die Leute lagen nachts an der gleichen Anlegestelle, deren Hausboot am Morgen ohne besonderen Grund nicht mehr ansprang, obwohl genügend Treibstoff im Tank war. Wir riefen dann beim Veranstalter an und keine Stunde später war ein Techniker da, um zu sehen, woran es lag. Es stellte sich heraus, dass die Benzinleitung verstopft war und auf die Schnelle nicht repariert werden konnte. Innerhalb der nächsten Stunde hatten die Leute ein adäquates Boot und konnten dann ihre Reise, mit einer Verspätung von ca. 2 Stunden fortführen. Für alles war gesorgt, beste Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Sport, ob mit dem Rad, auf dem Wasser oder zu Fuß, eine Menge interessanter Sehenswürdigkeiten, die kilometerlangen Kanäle, die Seen und Strände, können nur positiv bewertet werden. Wir haben uns vorgenommen, das nächste Mal dafür einen längeren Urlaub einzuplanen und freuen uns jetzt schon sehr darauf.

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