Languedoc
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Languedoc

Languedoc: Carcassonne
Quelle: Helmut Wegmann / pixelio.de
Im Süden Frankreichs, begrenzt durch die Flüsse Rhône und Garonne, liegt die ehemalige Provinz Languedoc. Heute ist sie aufgeteilt und wenn man von der Region Languedoc spricht, ist meistens die Region Languedoc-Roussillon gemeint. Diese erstreckt sich auf fast 200 Kilometern entlang der französischen Mittelmeerküste von den Pyrenäen bis zur Petite Carmague und in Richtung Norden bis zum Mittelgebirge der Cevennen. Trotz vieler Sonnentage, schier endlosen Sandstränden und kleinen, verträumten Dörfern, die fast mittelalterlich anmuten, ist diese Region für den ausländischen Tourismus noch eher unbekannt. In Frankreich dagegen ist sie eines der beliebtesten Urlaubsziele. Die Region führte über viele Jahre einen Dornröschenschlaf, bis die Regierung in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts hier ein französisches Florida errichten wollte. Der Strand und das Mittelmeer waren vorhanden und so wurden kurzerhand die ersten Hotelanlagen errichtet. Besonders für Familien ist diese Region besonders gut geeignet. Man ist hier sehr kinderfreundlich ausgerichtet.
Wer neben der Erholung am Strand auch an Kultur und Geschichte interessiert ist, kann in dieser Region viele Sehenswürdigkeiten bestaunen. Überall in Languedoc finden sich Zeugnisse aus vergangenen Zeiten oder Orte, die in der Geschichte bedeutsam sind oder waren. Darunter auch die Grotte „Caune de l´Arago“, wo die in Europa ältesten Überreste eines prähistorischen Menschen gefunden wurden. Schon in antiker Zeit haben hier die Griechen, Phönizier und Römer gesiedelt und ihre Spuren hinterlassen. Zur Zeit des römischen Reiches gehörte dieser Abschnitt des Mittelmeers zu den am dichtesten besiedelten Regionen in Europa und war bekannt für seine Glasprodukte und die Eisengewinnung. Nach dem römischen Reich erlebte Languedoc, wie so viele andere Landschaften in Europa, einen Niedergang.
Doch blieb zumindest noch der Weinanbau, für den diese Region auch heute noch bekannt ist. In den letzten Jahrzehnten war Languedoc als Billig-Wein-Anbaugebiet verrufen, doch haben sich mittlerweile viele Winzer mit dem Anbau exquisiter Weine einen guten Namen gemacht. Fast 350.000 Hektar Weinanbaufläche und über 20 Millionen Hektoliter Wein machen diese Region zu einem der größten Weinanbaugebiete der Welt. Für den aktiven Urlaub bietet Languedoc-Roussillon ein großes Angebot. Vor allem Golfspielern ist diese Region sicherlich ein Begriff, sind hier doch 14 Golfplätze mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden zu finden. Des Weiteren finden sich hier viele Möglichkeiten des Wassersports, wie Surfen, Tauchen und Angeln, Hier kann man Beachvolleyball spielen oder beim Tennis und Squash nochmal alles geben. Languedoc bietet viel für Besucher, die am Strand Erholung suchen oder selbst auf die Suche nach den verborgenen Schätzen der Regionen gehen wollen.
nach obenMontpellier
Die Hauptstadt der Region Languedoc-Roussillon ist eine der größten Städte an der französischen Mittelmeerküste und hat knapp 240.000 Einwohner. Fast ¼ davon sind Studenten an einer der 3 Universitäten der Stadt. Sie liegt inmitten einer hügeligen Landschaft und ist nur 15 Kilometer vom Meer entfernt. Montpellier ist eine junge Stadt. Erstmalig erwähnt wurde sie um 900 n. Chr. Durch die gute Lage auf den Handelswegen zwischen Mittelmeer und Europa entwickelte sich die Stadt schnell zu einer der Hauptanziehungspunkte für Händler und Kaufleute aus allen Ländern. Die meisten Straßennamen der Altstadt geben noch heute Auskunft darüber, mit welchen Waren dort gehandelt wurde. Im Laufe der Geschichte war Montpellier auch Anlaufpunkt für Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die medizinische Schule Montpellier gegründet, die um 1289 zur Universität erhoben wurde. Hier studierten Christen, Moslems und Juden gleichermaßen, was für damalige Verhältnisse geradezu revolutionär war. Montpellier wurde in den folgenden Jahrhunderten immer wieder belagert und erobert, war aber bis in die 1970er Jahre nur eine typisch französische Kleinstadt.
Der Wandel zur Metropole mit einer modernen und wegweisenden Architektur begann mit Georges Frêche, der 1977 die erste Sozialbausiedlung im Stil altrömischer Bauten errichten ließ. Für Besucher hat Montpellier viel zu bieten und zu bestaunen. In den Gassen der Altstadt kann man die kleinen Geschäfte und Cafes besuchen und Restaurants laden zum Genuss der lokalen und internationalen Küche ein. Durch den hohen Anteil junger Einwohner verfügt die Stadt über ein frisches, jugendliches Flair und ein breit gestreutes Angebot an kulturellen Ereignissen und Veranstaltungen. Der Strand von Languedoc ist nur wenige Kilometer entfernt, um dort seine Seele einfach einmal baumeln zu lassen.
Die Kathedrale St. Pierre ist der größte Sakralbau in der Region und hat als einzige die Religionskriege unbeschadet überstanden. Die Architektur erinnert mehr an eine Festung als an eine Kirche, trotzdem war sie immer als Kirche geplant. Im Inneren kann man das beeindruckende Kirchenschiff, ein beeindruckendes Orgelspiel und einen antiken Altaraufsatz aus dem 17. Jahrhundert bewundern. Der Aquädukt Saint-Clèment wurde Ende des 18. Jahrhunderts fertiggestellt und diente der Wasserversorgung der Stadt. Auf 800 Meter Länge überspannt es das Stadtviertel Les Arceaux, wo das Wasser nach seinem 14 Kilometer langen Weg von der Quelle St. Clément bis nach Montpellier in einem Wassertank gesammelt wird. Für Kunstinteressierte dürfte das Musée Fabre ganz oben auf der Liste der Sehenswürdigkeiten stehen. Hier ist eine der bedeutendsten öffentlichen Gemäldesammlungen Frankreichs zuhause.
nach obenNimes
Die Stadt Nimes liegt nordöstlich von Montpellier und zählt knapp 140.000 Einwohner. Wie in kaum einer anderen Stadt verbinden sich hier Antike und Moderne und gehen eine faszinierende Verbindung ein. Lassen Sie sich vom Charme dieser Stadt einfangen. Die Geschichte von Nimes beginnt in Sagen und Legenden, aber sicher ist, dass schon die Kelten im 6 Jahrhundert hier siedelten. Nimes selber war eine Quelle und galt als heilige Stätte. Als im Laufe der Geschichte die römische Expansion auch Nimes erreichte, wurde das bis dahin kleine Dorf zu einer prunkvollen Stadt nach römischem Vorbild ausgebaut. Diese Bauwerke sind auch heute noch in der Altstadt überall zu bewundern.
Im Mittelalter hat die Stadt viel ihrer Bedeutung verloren, stieg aber im 16. und 17. Jahrhundert zu einer mächtigen Handelsstadt auf. Auch aus dieser Zeit sind viele schöne Fassaden und Bauwerke erhalten, die das Stadtbild prägen. Nimes hatte trotz deutscher Besatzung das Glück, keine Schäden im zweiten Weltkrieg erlitten zu haben. Die Stadt selbst ist geschäftig und modern. Die denkmalgeschützte Altstadt bietet viele kleine Läden, Cafes und Restaurants, die einen Besuch wert sind und in denen sich das Flair dieser Stadt genießen lässt. Für interessierte Besucher bietet Nimes so viel Sehenswertes, dass ein Tag zu kurz ist, um alles sehen zu können. Das Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. zählt zu den am besten erhaltenen Arenen der gallo-römischen Architektur. In diesem beeindruckenden Monument von 133 Metern Länge und 101 Metern Breite konnten mehr als 20.000 Zuschauer den Kämpfen der Gladiatoren zusehen.
Ebenfalls aus dem 1. Jahrhundert v.Chr. stammt der Tempel Maison Carrée. Er ist vollständig erhalten und war in antiker Zeit das Zentrum der Stadt. Natürlich war er auch eine eindrucksvolle Demonstration der Macht und der Überlegenheit des römischen Reiches. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählt sicherlich auch die Kathedrale Notre Dame et Saint Castor aus dem 11. Jahrhundert. Von der ursprünglichen Kathedrale ist durch teilweise Zerstörungen und Umbauten zwar nicht mehr viel erhalten, aber die Friese an der Westseite gelten als Meisterwerk der romanischen Skulptur Südfrankreichs. Dass in Nimes sowohl Antike als auch Moderne Hand in Hand gehen, wird fast nirgendwo so deutlich, wie bei dem Carré d’Art. Dieser moderne Bau aus Glas und Stahl steht gleich neben dem Maison Carrée und ist vom Stararchitekten Sir Norman Foster erschaffen worden. Seine Front erinnert an einen alten Tempel. Im Inneren ist dieses Gebäude ein Museum für moderne Kunst, das auch eine Bibliothek beherbergt.
nach obenNarbonne
Diese Stadt, nur wenige Kilometer vom Meer entfernt, war die erste römische Kolonie außerhalb Italiens. Sie wurde 118 v.Chr. unter dem Namen Colonia Narbo Martius errichtet und lag direkt an der wichtigen Handelsstraße von Italien nach Spanien. Für die Bedeutung von Narbonne kam hinzu, dass hier auch die Straße in Richtung Norden abzweigte, die bis nach Bordeaux am Atlantik reichte. Die Stadt ging nach dem Rückzug der Römer an die Westgoten und wurde mit dem Aufstieg des Islam sowohl von islamischen als auch christlichen Herrschern erobert, geplündert und teilweise vollständig zerstört.
Im Mittelalter siedelten hier die Katharer, eine christliche Sekte mit ketzerischen Ansichten. Heute ist Narbonne eine lebendige Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern, die vor allem für den Weinbau bekannt geworden ist. Dieser brachte auch einen gewissen Wohlstand mit sich. Überall in der Stadt pulsiert es und in den letzten Jahren sind neue Stadtviertel hinzugekommen. In den Straßen der Stadt kann man sich in den Cafes und Restaurants von der Dynamik der Stadt einfangen und mitreißen lassen. Doch auch für die Geschichte hat man Platz in Narbonne. Man kann die Kathedrale Saint Just, deren Bau 1272 begonnen wurde, besichtigen. Beeindruckend ist die Chorhöhe von über 40 Metern, welche in ganz Frankreich nur wenige Kathedralen übertreffen können. Sie wurde leider nie ganz fertiggestellt, da für die Fortsetzung der Bauarbeiten einige Teile der Stadtmauer hätten abgerissen werden müssen. Dagegen wehrten sich viele Bewohner und daher kann heute nur der Altarraum selbst als Kirche genutzt werden.
Besonders schön und kostbar sind die flämischen Bildteppiche, welche Szenen der Schöpfungsgeschichte aufzeigen. In der Stadt Narbonne finden sich auch noch Überreste der römischen Gründungszeit. Auch von der alten Handelsstraße Via Domitia sind Teile erhalten und in er Innenstadt zu bewundern. Benannt nach ihrem Erbauer Gnaeus Domitius Ahenobarbus kann man an ihr die Genialität römischer Baukunst nachvollziehen. Am Palast Palais de Archeveques kann man verschiedenste Baustile bewundern. Er besteht aus dem Palais Vieux aus dem 12. Jahrhundert, dem Palais Neuf aus dem 17. Jahrhundert und dem Donjon Gilles-Aycelin, ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert. Heute finden sich in dem dort eingerichteten Museum Schätze aus der römischen Zeit, aber auch prähistorische Funde. Die Basilika St-Paul-Serge ist an der Stelle einer antiken Nekropole errichtet worden. Neben der ausnehmend schönen Architektur des Sakralbaus ist das Weihwasserbecken an der Südpforte bekannt. Es soll sich um einen versteinerten Frosch handeln, der damit für sein störendes Quaken während einer Messe bestraft wurde.
nach obenBeziers
Direkt am Fluss Orb und dem Canal du Midi liegt Beziers. Diese 80.000 Einwohner zählende Stadt kann ihre Geschichte bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Schon für die Kelten hatte diese Stadt bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. große Bedeutung als Handelsort. Die Römer vertrieben die Kelten und bauten Beziers zu einer römischen Stadt aus und um. Aufgrund der günstigen Lage und ihrer Stellung als Handelsstadt wurde sie immer wieder von verschiedenen Völkern erobert und geplündert. Vollständig zerstört wurde sie durch die Franken um 737 n.Chr. Die Bewohner gaben sie nicht auf, sondern fingen neu an und brachten die Stadt zu neuer Blüte. So wurde sie später in der Zeit der Regentschaft von Karl dem Großen sogar Bischofssitz.
Traurige Bekanntheit erlangte Beziers mit dem Massaker an der Bevölkerung im Jahre 1209 durch die Kreuzfahrer. In den Wirren der Albigenskriege erließ der Legat des Papstes den Befehl, alle Einwohner zu töten, da Gott schon die Seinen erkennen würde. Mittlerweile ist Beziers eine belebte und typisch südfranzösische Stadt mit katalanischen Einflüssen. Überall in der Stadt kann man spüren, dass Spanien nicht weit entfernt ist. Die Stadt ist sehr lebendig und überall an den Straßen und Plätzen kann man in den kleinen Cafes und Restaurants verweilen und sich das bunte Treiben anschauen. Das Mittelmeer ist nur 15 Kilometer entfernt und die feinen Sandstrände laden zum sonnenbaden und entspannen ein.
In Beziers und der näheren Umgebung finden sich viele Sehenswürdigkeiten, so zum Beispiel die Kathedrale Saint-Nazaire, die auf dem höchsten Punkt der alten Festungsanlagen errichtet wurde. Hier stand schon in der Antike ein römischer Tempel der Livia. Die Kathedrale ist das Wahrzeichen der Stadt, das sich schon von weitem sichtbar und imposant über die Ebenen des Orb erhebt. Die Kathedrale ist dem Heiligen Nazarius geweiht. Die Schleusentreppe von Fonserannes wurde im 17. Jahrhundert entworfen und ging mit Eröffnung des Canal du Midi in Betrieb. Als Monument historique ist sie eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Beziers. Ursprünglich geplant war nur die Schleusentreppe, aber mit fortschreitender Technik und der Ausweitung des Handels über den Kanal, wurde später ein Umbau notwendig, um den Kanal mittels einer Brücke über den Fluss Orb zu leiten. Das Rathaus aus dem 18. Jahrhundert ist ebenfalls ein Besuch wert. An diesem Platz hatten die Römer das Forum errichtet, von dem aber nichts mehr erhalten blieb. Um 1729 hat man dann hier das Hotel de Ville, so der ursprüngliche Name des Rathauses, errichtet.
nach obenCarcassonne
Der Name mag einigen Brettspielern bekannt sein. Aber die Stadt selbst ist noch aufregender. Sie liegt an der alten Handelsstraße zwischen Mittelmeer und Atlantik und archäologische Spuren lassen darauf schließen, dass hier schon im 6. Jahrhundert v. Chr. Menschen siedelten. Wie in den anderen Städten des Languedoc haben die Römer in vorchristlicher Zeit diesen Ort erobert und zu einer Befestigung erweitert, welche den Namen Carcaso trug. Nach dem Niedergang des römischen Reiches ging die Stadt durch viele Hände, gelangte dann aber unter der Dynastie der Trencavel zur Blüte. Als sich hier später die Katharer, eine christliche Sekte mit ketzerischen Ansichten, ansiedelten, wurde die Stadt um 1209 belagert und erobert.
Carcassonne wurde kurz darauf Kronbesitz des französischen Königs. Unter seiner Führung wurde Carcassonne umgebaut und bekam das auch heute noch charakteristische Aussehen. Die Festung von Carcassonne, die schon zu Zeiten der Römer dort stand, wurde in vielen Jahrhunderten immer wieder umgebaut und erweitert, bis sie schließlich als uneinnehmbar galt. Allerdings wurde sie im Laufe der Jahre militärisch bedeutungslos, da die Fortschritte in der Waffentechnik eine solche Festungsanlage unbrauchbar machten. Auch hatten sich die Grenzen Frankreichs weit verschoben und Carcassonne war keine direkte Grenzstadt mehr. Trotzdem ist die ganze Stadt einzigartig und an sich schon eine Sehenswürdigkeit. Einige besondere möchten wir Ihnen hier besonders vorstellen.
Die Mauern der Altstadt zeigen Konstruktionsmerkmale aus allen Epochen des Mittelalters und der bis dahin bekannten Prinzipien der Wehrarchitektur. Im Innersten selbst findet man sogar noch Überreste der ursprünglich römischen Befestigungsanlage. Besonders unter König Louis IX. wurden später zusätzliche Außenmauern errichtet. Die steinerne Brücke Pont Vieux ersetzte im 14. Jahrhundert eine weiter flussabwärts gelegene Brücke. Dem aufmerksamen Betrachter fällt sofort die unterschiedliche Spannweite der Brückenbögen auf. In diesem Fall hat das aber keine konstruktionsbedingten oder statischen Gründe. Es lag einfach daran, dass der Bau der Brücke nicht auf einmal bezahlt werden konnte. Und in den einem Jahr war mal mehr Geld vorhanden und in anderen weniger.
Die Basilika Saint-Nazaire ist vermutlich noch zu Zeiten der westgotischen Herrschaft über Carcassonne im 6. Jahrhundert n.Chr. errichtet worden. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen beginnen um 925. Die Basilika war zuerst als Kathedrale geführt, musste diesen Titel aber zugunsten der Kathedrale Saint-Michel abtreten. In und an dem Sakralbau finden sich Spuren aus allen Zeiten und Epochen, in denen hier gearbeitet und erweitert wurde. Beeindruckendes Beispiel der romanischen Baukunst sind dabei das Langschiff aus dem 11. bzw. 12. Jahrhundert und das Querschiff.
nach obenHöhle von Arago
In der Nähe der Ortschaft Tautavel, rund 20 Kilometer nordwestlich der Stadt Perpignan wurden 1964 in der Höhle von Arago die Überreste einiger Urmenschen gefunden. Die ältesten Fossilien wurden auf ein Alter 450.000 Jahre datiert und werden dem Homo erectus zugeschrieben. Berühmt wurde besonders ein Schädel, der als „Mensch von Tautavel“ bekannt wurde. Die Knochenfunde zählen zu den ältesten Nachweisen urmenschlicher Bewohner in ganz Europa. Nachweislich wurde die Höhle danach noch von 20 verschiedenen Arten von Urmenschen benutzt. Die letzten Spuren hinterließ eine Gruppe Neandertaler vor gut 35.000 Jahren.
Die Grabungsarbeiten selbst sind noch nicht abgeschlossen, daher kann nicht die ganze Höhle von Besuchern besichtigt werden. Die Höhle von Arago ist heute nur noch knapp 40 Meter lang und bis zu 15 Meter breit und kann nur gelegentlich während der Grabungsperioden im Sommer besucht werden. Außerhalb dieser offiziellen Termine kann man aber in der Grabungsperiode die Höhlen von einer Aussichtsplattform betrachten oder über Monitore in dem Museum in Tautavel einen Einblick in die aktuellen Arbeiten der Wissenschaftler bekommen.
Mit dem Auto ist die Höhle von Arago sehr gut erreichbar und in der Nähe finden sich Parkplätze und für die Sommermonate ein Picknick-Platz, der von den Anwohnern und Besuchern gut genutzt wird. Die Höhle liegt an einem Abhang gut 100 Meter über der Ebene von Tautavel, direkt am Fluss Verdouble, daher ist festes Schuhwerk zu empfehlen. Wem das aber zu anstrengend ist, oder wer außerhalb der Saison im Languedoc unterwegs ist, für den empfiehlt sich das Museum in Tautavel, in dem einige Fundstücke wie Steinwerkzeuge und Tierfossilien aus der Höhle ausgestellt sind, die einen Einblick in die Geschichte der Menschen und den damaligen Umweltverhältnissen ermöglichen. Auch finden sich hier Kopien der urmenschlichen Überreste. In mehreren Dioramen wird den Besuchern ein möglichst realistisches Bild der Lebensweise der Urmenschen vermittelt.
nach obenBotanischer Garten Montpellier
Für die Interessierten und Pflanzenliebhaber ist der 4,5 Hektar umfassende botanische Garten im Herzen der Stadt Montpellier sicherlich einen längeren Besuch wert. Der Jardin des Plantes wurde im späten 16. Jahrhundert in der Stadt Montpellier angelegt und war damit der erste überhaupt in Frankreich. Heinrich der IV. hatte diesen Garten für die Botanikschule von Montpellier anlegen lassen, die dort Heilpflanzen und deren Wirkung untersuchten. Als kleine Berühmtheit gilt der über 200 Jahre alte Ginkobaum, der ein Ableger des ersten von dem Botaniker Antoin Gouan in Frankreich eingeführten Ginkobaumes ist. 1762 hat dieser hier seinen Katalog der Pflanzen im Botanischen Garten Montpellier fertiggestellt, welcher das erste botanische Werk Frankreichs war und als Standardwerk in der Beschreibung und Klassifizierung von Pflanzen gilt.
Um 1804 wurde dann die Orangerie fertiggestellt, in der sich heute die Büsten von den bedeutendsten Naturforschern, die in Montpellier ihr Handwerk gelernt haben, befinden. 1810 folgte dann die Erweiterung um eine Forstschule. Erst 1841 wurde der Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und wird seitdem von vielen Botanikern, Studenten und natürlich auch Touristen besucht und bestaunt. Besonders schön ist der 1859 fertiggestellte englische Garten. Die Universität in Montpellier betreibt diesen botanischen Garten noch heute und widmet sich weiterhin der Klassifizierung und dem Studium der Pflanzen. In den Gewächshäusern finden sich über 3000 verschiedene Pflanzenarten, unter anderem Steineichen und Zürgelbäume.
1992 ist der Garten in Frankreich zum Monument historique erklärt worden und steht unter Denkmalschutz. Der Garten liegt mitten in Montpellier und ist daher aus allen Richtungen sehr gut erreichbar. Der Eintritt ist frei und dank des milden Mittelmeerklimas ist der Garten ganzjährig geöffnet. Leider hat man in den vergangenen Jahren versäumt, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, weswegen sich der chronische Geldmangel sichtbar an den Bauten niederschlägt. Trotzdem ist dieser Garten ein lohnendes Ausflugsziel für alle Besucher des Languedoc.
nach obenPont du Gard
Die Region um das heutige Nimes war eine der ersten, die von den Römern in ihrem Drang nach Expansion eroberten. Sie haben viele Bauten hinterlassen und eine der gewaltigsten ist sicherlich die Aquäduktbrücke, die auch unter dem Namen Pont du Gard bekannt ist. Sie liegt im der Nähe der Gemeinde Vers-Pont-du-Gard und wurde erbaut, um die Stadt Nimes täglich mit 20.000 Kubikmetern Wasser zu versorgen. Der gute Erhaltungszustand und die gewaltigen Ausmaße machen diesen künstlichen Wasserkanal zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Südfrankreichs.
Die Aquäduktbrücke besteht aus drei Ebenen, ist 275 Meter lang und 49 Meter hoch. Man vermutet, dass mit dem Bau im 1. Jahrhundert n. Chr. begonnen wurde. Von der Quelle bis nach Nimes sind es auf dem Luftweg 20 Kilometer, aber aufgrund der schwierigen Topgraphie war es für den Wassertransport notwendig, 50 Kilometer zu überwinden. Auf der gesamten Strecke hat die Wasserleitung im Durchschnitt ein Gefälle von 24cm/Kilometer. Wie römische Ingenieure eine solche Präzision erreicht haben, ist noch nicht vollständig geklärt. Nachdem das römische Reich zerfallen war, wurde die Wasserleitung nicht mehr regelmäßig gewartet, weswegen sie nach und nach verstopfte.
Im Mittelalter nutzte man Pont du Gard als Brücke und als Quelle für Baumaterial. Heute ist die Aquäduktbrücke ein Weltkulturerbe der UNESCO und ihre Form erinnert an die Abbildung eines Aquädukts auf der Rückseite des 5-Euro-Scheins. In der Nähe findet sich ein Museum, das dem Besucher einen umfassenden Eindruck des Bauwerks ermöglicht. Hier wird in kleinen Dioramen gezeigt, wie und mit welchen Mitteln die Römer diesen Bau errichtet haben. Ebenfalls findet sich auch die Nachstellung einiger Szenen aus der Stadt Nimes zur Zeit der römischen Herrschaft und wie das Wasser verwendet wurde. Man kann nachverfolgen, wie die Thermen funktionieren und die Brunnen versorgt wurden. Das Museum ist mit dem Auto gut erreichbar und ganzjährig geöffnet.
nach obenQueribus
In den Pyrenäen stehen die Überreste der Burg Queribus. Sie war einer der letzten Standorte der Katharer, nachdem im Jahre 1209 ihr Machtzentrum Carcassonne von den Katholiken erobert wurde. Die Festung galt als uneinnehmbar, wurde aber 1255 letztendlich erobert. Erstmalig erwähnt wurde die Burg 1020, die als Grenzfestung der Spanier gegen die Franzosen im Languedoc errichtet wurde. Erst 1239 wurde sie von dem Haus Aragon an die Franzosen verkauft, da man kein Interesse hatte, sich mit den dort ansässigen Ketzern, als welche die Katharer galten, herumzuschlagen.
Die Burg überragt auf dem 728 Meter hohen Felsen die Umgebung und ermöglicht bei günstigen Wetterbedingungen eine weite Aussicht bis zum Mittelmeer. Nachdem sie 1255 gefallen war, wurde sie Teil der „fünf Söhne“, einer Reihe von Grenzfestungen Carcassonnes, um Frankreichs Grenze zu Spanien zu sichern. Das gelang auch, obwohl die Anlage kurzzeitig von den spanischen Truppen besetzt wurde. Nach 1659 allerdings verlor die Festung ihre Bedeutung, als die spanisch-französische Grenze viele Kilometer in Richtung Spanien verschoben wurde. Man hielt noch ein kleines Kontingent an Wachsoldaten aufrecht, gab sie dann aber während der Wirren der französischen Revolution vollständig auf. Die Burg geriet fast in Vergessenheit, bis man sich 1951 daran machte, sie zu restaurieren.
Im Inneren der Festung ist der gotische Pfeilersaal besonders beeindruckend. Getragen wird die Decke durch einen zentralen Pfeiler, der sich wie eine Palme an der Decke entlangstreckt. Die Festung selbst ist mit dem Auto gut zu erreichen. Parkplätze und touristische Einrichtungen sind vorhanden. Wer sie besichtigen möchte, benötigt aber auf jeden Fall festes Schuhwerk und Ausdauer. Der Weg nach oben ist mit einer Steigung von im Schnitt 350 Meter auf 2 Kilometer recht steil und nicht ungefährlich. Allerdings wird man für die Mühen dann mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Gipfel der Pyrenäen und auf das entfernt liegende Mittelmeer belohnt.
nach obenAquarium Mare Nostrum
Wer selbst nicht unbedingt gerne tauchen möchte, kann sich die Unterwasserwelt des Mittelmeers auch in dem Aquarium Mare Nostrum in Montpellier erschließen. Hier kann man die Meerenge von Gibraltar und seine Flora und Fauna ebenso durchqueren, wie auch die Tiefen des Atlantiks vom eiskalten Nordmeer bis in die warme Südsee erleben. Das Aquarium Mare Nostrum zeigt diese Unterwasserwelt mit über 300 Tier- und Pflanzenarten aus allen Teilen der Welt. Durch den Einsatz modernster Technik und die unterhaltsame Art der Präsentation, wird dem Besucher Einblick gewährt in die komplizierten und empfindlichen Lebensräume der Meere.
Dabei wandert man nicht einfach nur von Fenster zu Fenster wie in einem Museum, sondern man wird von einem Teil durch passend gestaltete Schleusen und Durchgänge in den neuen Teil geführt. Man hat also manchmal wirklich das Gefühl, dass man erst einmal mit einem Fahrstuhl in die Tiefsee gebracht wird, bevor man dann in den Tiefseebereich eintritt um die dortige Welt zu bestaunen. Eine tropische Lagune lädt mit Kaffee, Kaltgetränken und exotischen Cocktails zum Verweilen ein. Besonders geeignet ist das Aquarium natürlich für Familien mit Kindern. Hier können Sie einen der seltenen Regentage in einer spannenden und trotzdem lehrreichen Umgebung verbringen. In den bis zu 8 Meter hohen Aquariumbecken schwimmen Haie und andere, teilweise fremdartig anmutende Meeresbewohner, die Sie faszinieren werden.
Überall gibt es Sitzmöglichkeiten, die mit einem Kopfhörer-Anschluss ausgestattet sind und so die Informationen ungestört von der Umgebung weitergeben können. Wer möchte, kann auch gegen einen Aufpreis eine der geführten Touren durch das 1.500 Quadratmeter umfassende Areal buchen. Diese dauert ungefähr 1,5 Stunden und wird in unterschiedlichen Sprachen angeboten. Das Aquarium Mare Nostrum liegt in der Stadt Montpellier und ist von allen Seiten gut erreichbar. Kostenlose Parkplätze sind direkt am Aquarium vorhanden. Geöffnet ist ganzjährig von Montag bis Sonntag und auch den Feiertagen.
nach obenAktivitätsmöglichkeiten und andere Tipps
Golfen
Rund 20 Golfplätze in der Region Languedoc-Roussillon stehen dem ambitionierten Golfspieler zur Verfügung. Von Plätzen in Höhenlagen über Landschaftsplätze bis zu Plätzen kalifornischer Art findet hier jeder Spieler seinen Favoriten. Die Region selbst profitiert von den über 300 Sonnentagen im Jahr, daher steht hier einem ungetrübten Spiel auf dem Grün nichts im Wege. Viele der örtlichen Golfclubs bieten auch Leihausrüstung und Trainingseinheiten für unerfahrene Spieler an. Und die erfahreneren Spieler haben die Möglichkeit, in einmaliger Kulisse ihr Handicap zu verbessern.
Tennis
Sie werden nicht lange suchen müssen, wenn Sie in Ihrem Urlaub in der Region Languedoc-Roussillon Tennis spielen möchten. Überall finden sich große und kleine Tennisclubs, die ihre Einrichtungen auch Besuchern zur Verfügung stellen. Eine der größten Anlagen ist sicher die des „International Tennis Centre“ in Cap d´Adge mit über 40 Plätzen. Am einfachsten ist aber sicherlich die Nachfrage im Hotel oder in einem örtlichen Touristenbüro. In dieser Region finden auch regelmäßig kleinere und größere Turniere statt.
Wandern
Wanderungen durch Languedoc-Roussillon sind etwas Besonderes. Hier verläuft der Jakobsweg, auf dem Pilger in Richtung Santiago de Compostela wandern können. In der ganzen Region gibt es historische Routen und die sogenannten „Mystischen Pfade“, auf denen Sie sich diese einmalige Landschaft mit Rucksack, Karte und gutem Schuhwerk erwandern können. Informationen und Kartenmaterial können Sie in vielen Hotels direkt erhalten oder Sie nehmen Kontakt auf mit dem regionalen Wanderausschuss des Languedoc-Roussillon.
Angeln
Das Angeln ist in Südfrankreich ein beliebter Sport, aber auch erlaubnispflichtig. Wenn Sie also in einem der vielen kleinen Flüsse dem Fliegenfischen nachgehen möchten, sollten Sie sich vorher auf jeden Fall informieren, wo Sie einen Angelschein bekommen. Die meisten Geschäfte in der Region sollten kleinere Angelscheine verfügbar haben, die Ihnen das Angeln für eine gewisse Zeit erlauben. Sie können sich im Voraus auch an die zentrale Erlaubnisstelle in Perpignan wenden.
Klettern und Höhlenwanderung
Das Languedoc-Roussillon ist ein Paradies für Kletterer und Höhlenwanderer. Die Cevennen auf der einen Seite und die Pyrenäen auf der anderen bieten unzählige Höhlen und Schluchten, in den das Klettern möglich ist. Viele örtliche Clubs und Vereine bieten für Besucher Touren an und bieten die Möglichkeit, die passende Ausrüstung gleich mit zu leihen. Das Klettern ist sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet, da die Touren entsprechend geplant und durchgeführt werden. In den Schluchten von Tarn und Jonte finden sich viele Höhlen, die ebenfalls in Begleitung erkundet werden können. Berühmt sind zum Beispiel die Höhlen des Lozère-Plateaus.
Leucate-Plage
Wer ein großes Wassersportangebot sucht, ist in der Nähe von Canet richtig. Hier wurde ein Wassersportparadies eingerichtet, das seinesgleichen sucht. Surfen, Segeln, Schnorcheln und viel mehr kann man hier buchen. Rund um den Strand sind viele kleine Cafes und Restaurants, die einheimische und internationale Küche bieten. Für Sonnenhungrige und Ruhesuchende gleichermaßen geeignet ist der gleich nebenan liegende Strand von Plage des Coussoules, der unter Naturschutz steht.
Le Petit Train Jaune
Mitten durch die Berglandschaft der Pyrenäen kann man mit dem „kleinen gelben Zug“ ganz gemütlich von Villefranche-de-Conflent nach Latour-de-Carol fahren. Bei gemächlichem Tempo kann man die 63 Kilometer, die über 2 Talbrücken und durch 19 Tunnel führt, an sich vorbeiziehen lassen. Dabei überwindet der Zug einen Höhenunterschied von über 1.200 Metern.
Perpignan
Wer nicht genau hinschaut, könnte glauben, er sei in Spanien. Das Katalanische beherrscht hier sowohl die Sprache als auch die Speisekarte. Diese Stadt und ehemalige Hauptstadt des Königreiches Mallorca war bis vor wenigen Jahrhunderten noch spanischer Besitz und hat sich die Eigenarten bewahrt. Beeindruckend ist die noch vorhandene Festungsanlage und der von Salvador Dali gestaltete Bahnhof der Stadt. Hier kann man Touren in die Pyrenäen buchen. Besonders die Höhle von Arago im Norden ist dabei besonders sehenswert.
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