Herxheims unheimliche Steinzeitvergangenheit

In grauer Vorzeit geschah dort, wo heute Herxheim liegt, etwas sehr Unerklärliches.

Eigentlich ist Herxheim ein bezauberndes Städtchen in Rheinland-Pfalz, an der südlichen Weinstraße gelegen, nur etwa 30 km von Karlsruhe entfernt. In der ländlichen Region wird seit über 170 Jahren Tabak angebaut. Die Stadt selbst wurde bereits vor über 1200 Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt, doch birgt der Ort ein sehr altes Geheimnis oder Rätsel, das die Archäologen bis heute nicht aufklären konnten.

Vor rund 7000 Jahren hatte sich an der Stelle des heutigen Herxheim etwas ereignet, von dem die Wissenschaftler nur ungefähr wissen, in welchem Zeitraum es passierte und was passierte. Das „Warum“ ist ebenso offen wie eine Frage, die wirklich Schaudern hervorruft, doch davon später mehr. Um das Jahr 5000 v. Chr. wurde die kleine steinzeitliche Siedlung das Ziel von Menschen, die aus bis zu 400 km Entfernung dorthin wanderten. Das an sich wäre nun kein so großartiges Ereignis. Auch Stonehenge in England bekam schon in der Steinzeit Besuch aus allen Teilen Europas. In Herxheim jedoch finden sich weder große Steinkreise noch irgendwelche anderen Bauten, die als Pilger-Ziel der Steinzeitmenschen hätten dienen können.

Was geschah in grauer Vorzeit in Herxheim?

Als in Herxheim im Jahr 1996 ein Gewerbegebiet eingerichtet werden sollte, stießen die Bauarbeiter auf ein Gräberfeld von riesigem Ausmaß. Aktuell sind über 450 menschliche Schädel freigelegt, wobei die Ausgrabungen fortgesetzt werden. Massengräber wurden in Deutschland auch schon vorher gefunden, jedoch meist als Folge kriegerischer Handlungen. Doch es gab in Herxheim nachweislich keine Schlachten, weder vor 5000 Jahren noch sonst im Laufe der Geschichte. Die Skelette haben sich auch nicht über einen langen Zeitraum angesammelt, sondern wurden schätzungsweise in einer Zeitspanne von 50 Jahren dort begraben. Die damalige Siedlung selbst war viel zu klein, als dass dort in so kurzer Zeit so viele Menschen hätten sterben können.

Die Archäologen konnten feststellen, dass die Skelette in den Gräbern aus den unterschiedlichsten Gegenden Europas stammten, die Menschen also gezielt dorthin kamen. Aber was dann? Wollten sie hier sterben? Es gibt keinen Hinweis für Tote durch Kampfhandlungen, wohl aber ein paar bemerkenswerte Fakten, die die Toten von Herxheim in einem unheimlichen Licht erscheinen lassen.

Wohin verschwand das Fleisch?

Anhand von Schnitten an den Knochen der Verstorbenen stellten die Archäologen fest, dass die Toten wie Schlachttiere zerlegt und das Fleisch von den Knochen geschabt wurde. Natürlich steht sofort der Verdacht im Raum, dass es sich um Kannibalismus gehandelt haben muss, zumal einige Knochen auch noch Grill- und Kochspuren aufweisen. Doch sind die Archäologen heute dank moderner Analyse-Methoden in der Lage nachzuweisen, ob ein Steinzeitmensch ein Kannibale war. Dazu werden die Überreste von Fäkalien untersucht, in denen sich bei Kannibalismus menschliches Myoglobin nachweisen lässt. Nichts davon in Herxheim. Außerdem wären die paar Einwohner der damaligen Siedlung nicht in der Lage gewesen, so viel Fleisch zu verzehren. Das Fleisch ist auch nicht auf einem Haufen verwest, es ist schlicht verschwunden.

Die hierher gereisten Menschen kamen vermutlich freiwillig, denn wie hätten die Bewohner einer so kleinen Siedlung in einem hunderte Kilometer großen Umkreis so viele Gefangene machen können? Die Menschen wurden wahrscheinlich in einer rituellen Handlung getötet, entfleischt, die Knochen teilweise zerschlagen und mit ebenso absichtlich zerstörten Beigaben begraben. All das spielte sich nur in einem maximal 50 Jahre dauernden Zeitfenster ab. Dann war alles vorbei. Was war das damals? Wer sich auf die Spuren der ungewöhnlich verstorbenen Steinzeitmenschen von Herxheim begeben möchte, kann sich im Museum Herxheim in einer Dauerausstellung informieren.

November 2019



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