Französisch-Guayana: Der größte Wald der EU – in Südamerika

Dschungel, Raketen, Sandstrände und Sonne pur in der EU?

Das europäische Staatengebilde weist in jeder Hinsicht einige Besonderheiten aus, die durchaus als recht ungewöhnlich bezeichnet werden können. So auch die Homogenität der EU-Geografie. Die ist nicht wirklich gegeben und Schuld daran tragen vor allem Frankreich und die Niederlande, die aus ehemaligen Kolonien einen Teil ihres Staates machten, auch wenn diese Teile viele Tausende Kilometer vom Mutterland entfernt sind. So wie Französisch-Guayana, Frankreichs Exklave in Südamerika.

Es ist ein Land, fast so groß wie Österreich, aber statt 52 Breitengrade vom Äquator entfernt zu sein und ein entsprechend mildes Klima mit stark wechselnden Schwankungen in den Jahreszeiten zu besitzen, ist Französisch-Guayana gerade einmal 4 Breitengrade vom Wendekreis zur südlichen Halbkugel entfernt. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 26 Grad Celsius. Hinzu kommt eine Luftfeuchtigkeit, die selbst in der Trockenzeit von Juni bis Dezember über 80 % beträgt. Das ist für Mitteleuropäer kein wirklich angenehmes Klima, zumal über 90 % des Gebietes von tropischem Regenwald bedeckt ist. Deshalb liegt in Französisch-Guayana das größte zusammenhängende Waldgebiet der Europäischen Union. Nur an der 378 Kilometer langen Atlantik-Küste sorgt der Wind vom Meer für Abkühlung, weshalb von den rund 260.000 Einwohnern des Landes gut 160.000 in den Städten der Küstenregion wohnen. Dort aber kann Französisch-Guayana mit ein paar interessanten Sehenswürdigkeiten aufwarten, die es wert machen, dem Frankreich in Südamerika mal einen Besuch abzustatten.

Weltraumbahnhof und Teufelsinsel

Europas Eroberung des Weltraums geschieht von Französisch-Guayana aus, genauer vom Weltraumbahnhof Kourou. Von hier aus wurden und werden beispielsweise Satelliten in einen Orbit um die Erde gebracht. Der nächste Start mit einer Ariane-5-Rakete ist für den 15. Januar 2020 geplant. An diesem Tag sollen die beiden Satelliten Eutelsat Konnect und GSAT-30 ins All befördert werden. Aber der Weltraumbahnhof ist auch ohne Raketenstart ein interessantes Besichtigungs-Objekt, das im Übrigen von der Fremdenlegion bewacht wird.

Nicht bewacht, aber überwacht werden die Starts der Raketen von einer Radar- und Funkstation auf der Teufelsinsel, die wiederum ein Teil der Inselgruppe Îles du Salut ist.

Doch die Teufelsinsel besitzt eine düstere Vergangenheit, denn auf ihr befand sich bis 1946 eine Strafkolonie, die vor allem durch die unmenschlichen Haftbedingungen von sich reden machte. In dieser Kolonie musste der Artillerieleutnant Alfred Dreyfus 4 Jahre lang unschuldig einsitzen und der ehemalige Insasse Henry Charrière schrieb über seine Zeit als Häftling den weltberühmten Roman Papillon.

Karibik-Feeling und Bergland

An schönen Stränden mangelt es Französisch-Guayana absolut nicht. In jeder der größeren Küstenstädte finden sich zauberhafte, meist kilometerlange Sandstrände, wobei vor allem die Strände der Hauptstadt Cayenne überzeugen können. Vorteilhaft hierbei ist auch die hohe Wetterbeständigkeit, denn während die nördlich gelegene Karibik-Region den Passatwinden und damit hin und wieder einem Hurrikan ausgesetzt ist, besteht diese Gefahr in Französisch-Guayana nicht.

Für Abenteurer bietet sich eine Dschungelexpedition in das Bergland von Französisch-Guayana an, wobei Abenteuer durchaus wörtlich genommen werden kann, denn in dem riesigen Dschungelgebiet sind viele illegale Goldsucher aus Brasilien und Surinam unterwegs, die wiederum von der Fremdenlegion am Goldwaschen gehindert werden sollen.

Ein Hin- und Rückflug nach Cayenne ab Frankfurt am Main mit Zwischenlandung in Paris kostet aktuell rund 600 Euro. Die Hotels in Cayenne wie auch in Kourou sind recht teuer und bewegen sich überwiegend jenseits der 100-Euro-Marke pro Nacht. Mit etwas bescheidenerem Komfort geht es aber auch wesentlich günstiger, wobei gute Quellen zum Finden von Pensionen die örtlichen Taxifahrer sind. Etwas französische Sprachkenntnisse wären jedoch vorteilhaft. Wie im Mutterland Frankreich sind auch die Einwohner Französisch-Guayanas stolz auf ihr französisch und weigern sich recht beharrlich, etwa in Englisch zu kommunizieren. Dafür braucht es als EU-Bürger nur den Personalausweis zur Einreise und natürlich ein paar Euro.

Oktober 2019



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