Die kurische Nehrung – ein Sommertraum

Eine Welt aus Sagen und Mythen, mit Stränden zwischen zwei Meeren, die kurische Nehrung.

Thomas Mann baute dort sein Sommerhaus und verließ es 1932, um vor den Nazis ins Exil zu flüchten. Jahrhunderte zuvor waren auf dieser seltsamen geologischen Besonderheit aber schon die Wikinger zugange, deutsche Ordensritter, schwedische Soldaten des dreißigjährigen Krieges, die Truppen des russischen Zaren, die Rote Armee, die Wehrmacht und heute stehen sich zumindest an der Grenze Litauens und Russlands Natotruppen und Putins Soldaten gegenüber. Die kurische Nehrung besitzt für viele Deutsche eine besondere Bedeutung, wenn meist auch nur aus den Erzählungen ihrer Eltern, die von dort zum Ende des Zweiten Weltkrieges geflohen sind, aus dem ehemaligen Ostpreußen.

Vielleicht ist es diese doch düstere Vergangenheit, die zugleich anzieht und abschreckt, in der heutigen Realität jedoch ist die kurische Nehrung eine so zauberhafte Landschaft, die einen längeren Besuch wert ist

Was genau ist die kurische Nehrung eigentlich?

Geologisch gesehen ist die kurische Nehrung ein natürlicher Damm mit etwa 100 km Länge und einer Breite von rund 380 m an der schmalsten und 3,8 km an der breitesten Stelle. Dieser Damm grenzt einen Teil der Ostsee ab, das kurische Haff. So entstand ein Minimeer mit eigenem Klima. Etwa zur Hälfte gehört die kurische Nehrung zu Litauen und damit zur EU und zur anderen Hälfte zum kaliningrader Gebiet, dem ehemaligen Königsberg, das heute eine Exklave Russlands darstellt.

Landschaftlich zeigt sich die kurische Nehrung sehr abwechslungsreich. Scheinbar endlose Nadelwälder werden von riesigen Sanddünen und langen Sandstränden abgelöst. Laubwälder, träumerische Wiesen und hier und da bunte Holzhäuser sowie im Westen die Ostsee und im Osten das meist spiegelglatte kurische Haff. Über allem ein endlos weiter Himmel. Es ist nicht verwunderlich, dass sich hier der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann sein Sommerhaus baute. Im Jahr 2000 erklärte die UNESCO die kurische Nehrung zum Weltkulturerbe. Es ist ein in sich geschlossener Kosmos, der auch noch das Glück hatte, das bisher keine der jeweiligen Regierungen es zuließ, das sich Bettenburgen breit machen konnten. Sowohl auf russischer wie litauischer Seite ist die Nehrung Naturschutzgebiet. Die bestehenden Ortschaften wurden teils schon vor über 1000 Jahren gegründet und fügen sich architektonisch in diese Zauberwelt ein. Dazu gehört auch der Hexenberg von Juodkranté, ein Waldgebiet, in dem sich rund 80 große Holzskulpturen verteilen. Es ist der Versammlungsort der Einheimischen zur Feier der Mittsommernacht und die Skulpturen geben die Mythen, Märchen und Sagen der Gegend wieder.

Urlaub auf der kurischen Nehrung

Wer seinen oder ihren Sommerurlaub nicht in den bekannten europäischen Touristenhochburgen verbringen möchte, dem ist die kurische Nehrung nur zu empfehlen. Der Weg zur kurischen Nehrung ist jedoch nicht ganz so einfach wie etwa an den Ballermann, dafür ist die Wahrscheinlichkeit, auf den Nachbarn zu treffen, auch weit geringer.

Von Berlin gehen Flüge nach Vilnius. Von dort sind es noch einmal etwa 4 Stunden Fahrt mit dem Bus oder einem Leihwagen bis Klaipeda oder bis nach Nida, in der Mitte der Nehrung, wo auch Thomas Manns Haus steht. Es gibt einfache Hotels oder ebenso Campingplätze. Wer mit dem eigenen Wagen anreisen möchte, dem ist die Fährverbindung von Kiel nach Klaipeda zu empfehlen. Der Landweg durch Polen und durch die Region Kaliningrad ist eher schwierig. Die Fahrt über die Ostsee per Autofähre dauert etwa 20 Stunden, sie ist aber die wesentlich angenehmere Art des Reisens an die kurische Nehrung, an ein Sommerparadies mit Geschichte.

Juli 2019



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