Feldkirch in Österreich, Schicksalsstadt für „Ulysses“

Das Leben geht schon seltsame Wege. So muss es auch der irische Schriftsteller James Joyce empfunden haben, den mit der kleinen Stadt Feldkirch im Vierländereck von Österreich, Liechtenstein, Deutschland und der Schweiz eine Handlung verbindet, die letztlich darüber entschied, das Joyce den Jahrhundertroman „Ulysses“ geschrieben hat.

Es ist das Jahr 1915, Österreich steht gemeinsam mit Preußen im Ersten Weltkrieg gegen Frankreich, die USA und England, zudem damals auch ganz Irland gehörte. Der Ire Joyce wohnt zu dieser Zeit in der Hafenstadt Triest, die noch zu Österreich oder besser zur Habsburgmonarchie gehörte. Als Ire waren er, seine Frau und sein Kind mit Kriegsbeginn sogenannte feindliche Ausländer auf österreichischem Hoheitsgebiet, weshalb die Familie die Ausreise, zunächst in die neutrale Schweiz, antrat. Der Grenzübertritt per Eisenbahn erfolgte über Feldkirch und genau hier gab es bei der Passkontrolle eine Verzögerung. Um ein Haar wäre Joyce in Feldkirch verhaftet worden und hätte so später in Zürich nicht mit seinem Hauptwerk, dem Roman Ulysses, anfangen können. Was oder wer Ihn vor der Inhaftierung gerettet hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Immerhin blieb sein Bruder, der ebenfalls in Triest lebte, über lange Jahre in einem österreichischen Internierungslager gefangen.

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Feldkirch | ©: Walter Sturn auf Pixabay

Feldkirch, Kleinstadt im Schatten der Burg

Eigentlich heißt sie Schattenburg und sie ist der Grund, warum es Feldkirch überhaupt gibt. Es gab zwar zuvor schon eine kleine Siedlung mit Namen Feldkirch, doch zur Stadt entwickelte sich diese erst, als die Grafen von Montfort ihre Burg im Jahr 1230 an dieser Stelle errichteten. Nicht umsonst wird Feldkirch noch heute Montfortstadt genannt. Die Burg zählt zu den besterhaltenen Bauten des Hochmittelalters und beherbergt ein umfangreiches Heimatmuseum. Der letzte Graf von Montfort verkaufte die Burg samt Stadt im Jahr 1375 an den Habsburger Leopold III, womit später auch ein territorialer Wechsel stattfand. Die Montforter Grafen entstammten einem Schweizer Geschlecht, die Habsburger wiederum gehörten zu Österreich.

Genau wie die Schattenburg ist auch der Altstadtkern aus derselben Bauzeit hervorragend erhalten. Ein Spaziergang im 13. Jahrhundert ist in Feldkirch problemlos möglich, ganz ohne Zeitmaschine. Die gesamte Region des südöstlichen Bodensees hatte und hat das Glück, kaum von irgendwelchen Kriegswirren über die Jahrhunderte beeinträchtigt zu werden. Dazu fehlte einfach die strategische Bedeutung und auch sonst gab es nicht viel zu holen. Feldkirch und seine Umgebung können dafür mit einer wunderbaren Landschaft aufwarten.

Feldkirch – Ausgangspunkt für Tagestouren

Obwohl Feldkirch nur etwa 33.000 Einwohner zählt, ist es der Einwohnerzahl nach fast so groß wie sein direkter Nachbarstaat, das Fürstentum Liechtenstein. Die Stadt bietet sich als Basislager für Ausflüge in die Umgebung an. Nach Norden hin trifft der Besucher nach rund 25 Kilometern auf den Bodensee mit Bregenz in Österreich und Lindau in Deutschland. Die gleiche Wegstrecke wird benötigt für einen Besuch der Schweizer Stadt St. Gallen und natürlich nicht zu vergessen Vaduz, die Hauptstadt von Liechtenstein, die sogar nur 10 Kilometer Richtung Süden entfernt liegt.

Wer schon immer mal wissen wollte, wo denn eigentlich Vater Rhein entspringt, ist in Feldkirch goldrichtig. Hier fließt der Alpen- oder Vorderrhein gemächlich dem Bodensee zu. Schon hier ist der Rhein ein Grenzfluss zwischen der Schweiz und Österreich. Der große Fluss hat übrigens nicht eine Quelle als Ursprung, sondern mehrere Alpenzuflüsse, obwohl viele Anwohner der Gegend den Tomasee im schweizerischen Kanton Graubünden als Rheinquelle betrachten. Die gesamte Region ist durch Höhenzüge geprägt, letzte Ausläufer der schweizer und der österreichischen Alpen, die sich langsam zur Ebene am Bodensee hinneigen. Auf der Schweizer Seite finden sich so ganz in der Nähe verschiedene, durchaus mondäne Skigebiete wie etwa am Säntis, dem Pizol oder den Glarner Alpen.

Hier dominieren die Schweizer und Liechtensteiner Feriengebiete das Bild und machen die Gegend für Aufenthalte recht teuer. Deshalb ist das österreichische Feldkirch eine relativ preisgünstige Oase für Übernachtungen. Die Stadt bietet Hotels, deren Zimmerpreise sich um etwa 80 bis 150 Euro für das Doppelzimmer bewegen. Das ist jetzt auch nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber dafür lässt es sich zum Beispiel auf den Spuren von James Joyce wandeln, ohne nach Irland fliegen zu müssen.

März 2019



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